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So haben wir uns kennengelernt: Unsere Liebesgeschichte

Es war ein Sonntag im Oktober 2017, an dem wir uns trafen.

Erst wenige Wochen zuvor gingen Liams Vater und ich nach 11 Jahren Beziehung getrennte Wege. Ich fühlte mich in dieser Zeit unfassbar einsam, verloren und desorientiert. Alles, was ich mir bis dahin sorgsam aufgebaut hatte, schien mir zu entgleiten: Eine gescheiterte Ehe, ein zerrissenes Selbstwertgefühl und ein offensichtlich zertrümmertes Familiengebilde – zu diesem Zeitpunkt glaubte ich nicht mehr daran, dass ich jemals wieder einem Mann mit der bedingungslosen Loyalität entgegentreten konnte, wie ich es zuvor getan hatte.

Trauer nach der Trennung

Ich trauerte. Ich resignierte. Aber – um ehrlich zu sein – nur für eine relativ kurze Weile. Diese Tatsache mag viele verwundern, denn schließlich verbrachte ich doch ganze 11 gemeinsame Jahre mit dem Vater meines Kindes. Musste die Trauerphase dann nicht intensiver und schmerzhafter sein? Müsste ich nicht erwartungsgemäß durchdrehen und mich von der Außenwelt abschotten, nachdem was passiert war? Nicht unbedingt. Ich kann mir meine Reaktion nur so erklären, dass ich mich bereits vor der Trennung emotional von diesem Mann zurückgezogen hatte, weil ich irgendwie ahnte, dass da etwas nicht stimmte.

Neues Lebensgefühl

Nach dem Aus verspürte ich plötzlich ein ungewohntes und beinahe beflügelndes Lebensgefühl, das mich dazu trieb, weiterhin positiv in die Zukunft zu blicken. Dennoch quälte ich mich auch mit den üblichen natürlichen Gedanken, die man so nach einer Trennung hat: „Werde ich lange allein bleiben?“ „Wann und wie werde ich wohl einen Mann kennenlernen?“ „Werde ich jemandem begegnen, der nicht nur mich, sondern mich als Gesamtpaket mit meinem Sohn akzeptiert und es auch wirklich ernst mit uns meint?“

Trennung mit Kind

Ich musste mich irgendwie neu erfinden, aber es fühlte sich dennoch gut an. Ich spürte das nach all dem Schlechten, etwas ganz Wundervolles auf mich wartete. Ich nahm die Trennung als eine Art Befreiung wahr: Ein Weckruf, endlich das Leben zu leben, was mich glücklich macht und nicht nur eins, womit ich mich nur abgefunden und irgendwie über die Jahre arrangiert hatte, weil ich es ja nicht anders kannte. All die angestauten Frustrationen fingen an, sich von Tag zu Tag zu lösen. Dennoch gab es doch die neuen und sehr schmerzhaften Herausforderungen, die nach einer Trennung mit Kind in den meisten Fällen auftreten. Schon allein die ständigen Auseinandersetzungen bezüglich bestimmter Umgangsregelungen usw. brachten mich an meine emotionalen Grenzen.

Als plötzlich alleinerziehende Mutter eines 2 ½-jährigen Sohnes, die sich erst vor Kurzem selbstständig gemacht hatte, war es eine verdammt harte Zeit!  Und dennoch durfte ich nicht lange trauern. Ich musste weitermachen und das tat ich dann auch.

Große Liebe über Dating Apps?

Um mich von dieser schmerzhaften Erfahrung abzulenken, meldete ich mich – auf Drängen meiner Freundinnen – nur wenige Wochen nach der Trennung auf einem Partnerportal an. Sie ermutigten mich dazu, es einfach mal zu tun, um auf andere Gedanken zu kommen. Dass ich hierbei allen Ernstes meine große Liebe treffen würde, hätte ich niemals für möglich gehalten! Doch es sollte so sein.

Bis dato kannte ich niemanden aus meinem Freundeskreis, der über solche Apps den Partner seines Lebens kennengelernt hatte. Dementsprechend gering waren auch meine Hoffnungen, hier wirklich fündig zu werden. Außerdem war ich komplett raus aus dem Dating-Game. Seit meinem 19. Lebensjahr war ich mit dem Vater meines Kindes zusammen gewesen. Und nun mit 30 Jahren sollte ich den Markt betreten? Ich fühlte mich sehr unwohl dabei. Ehrlich gesagt, kam ich mir richtig  bescheuert vor. Ich hielt einfach nichts von den Spielchen, die man so am Anfang spielt, um sich interessant und begehrenswert zu machen. Erst jemanden kennenlernen, ihn womöglich toll finden, dann hoffen, dass er sich meldet, dann die Freundesliste auf Instagram nach neu hinzugefügten Profilen von hübschen Frauen stalken, nur um mit großer Enttäuschung festzustellen, dass er parallel eine andere datet und mich anschließend ghostet?

Let the dating games begin

Nein, danke! Darauf hatte ich keine Lust! Und dennoch hatte ich ja irgendwie nichts zu verlieren. Ein wenig neugierig war ich auch, das gebe ich zu.  Außerdem könnte ich ja jederzeit die App löschen, wenn es mir zu heikel werden würde. Also legte ich mein Profil mit folgender Beschreibung an: „Mama des süßesten Jungen der Welt!“ Ich dachte mir, dass dies ein klares Statement sei und hoffentlich alle Männer, die kein ernsthaftes Interesse hätten, vor einer Kontaktaufnahme mit mir abschrecken würde.

Nun gut: Meine Rechnung ging nicht ganz auf, denn vom Fußfetischisten bis hin zum geschiedenen 3-Fach-Vater war alles dabei! Ich fand es irgendwie witzig, mir die Nachrichten durchzulesen – jedoch konnte niemand mein ernsthaftes Interesse für sich gewinnen.

Der Tag, an dem wir uns kennenlernten

Bis zu dem besagten Tag im Oktober – als mir plötzlich die Nachricht eines Mannes mit dunklen Locken angezeigt wurde. Er schrieb: „Hey schöne Frau und Mama vom süßesten Jungen der Welt“ und schon hatte er meine Aufmerksamkeit, weil er direkt meinen Sohn mit ins Gespräch eingebunden hatte. Ich war gerade auf dem Sprung und antwortete deshalb nur mit einem kurzen „Hey“. Er fragte mich, was ich noch so vorhatte an diesem Sonntag und ich schrieb, dass ich mich gerade auf dem Weg zum Outfit-Shooting machen würde. Er stellte zum Glück keine blöden Fragen hierzu, sondern wünschte mir ganz anständig einfach nur viel Spaß. Und nach einigen Zeilen Austausch schrieb ich ihm, dass ich eigentlich keine Lust auf Small Talk hätte und dass ich ungern meine Zeit verschwenden würde. Wenn er mich kennenlernen wolle, solle er sich bitte etwas überlegen.

Obwohl mein Ton sehr grob war, blieb er die ganze Zeit freundlich und fragte mich, wann ich denn Zeit für ein Essen hätte. Ich schrieb, dass es mir an diesem Tag spontan gegen 20:30 Uhr passen würde, denn ich wollte unbedingt vorher noch meinen Sohn ins Bett bringen. Meine Mama war in dieser Woche zu Besuch und ermutigte mich, mit ihm auszugehen, während sie auf Liam aufpassen könnte. Auch, wenn es mir schwerfiel und ich ein schlechtes Gewissen hatte, wusste ich gleichzeitig, dass ich ja nur für ein paar Stunden weg wäre und dass der Kleine bei meiner Mama sowieso sehr gut aufgehoben war!

Das erste Date

Tatsächlich reservierte dieser höfliche fremde Mann nur kurze Zeit später einen Tisch in einem wunderschönen Restaurant direkt am Wasser. Wir verabredeten uns an einem neutralen Ort, weil ich nicht wollte, dass er meine Adresse kennt und fuhren anschließend gemeinsam ins Lokal. Als ich ihn das erste Mal sah, war ich positiv überrascht. Er war größer als auf den Fotos und verhielt sich wie ein echter Gentleman.

Arrogante Eisprinzessin trifft höflichen Gentleman

Als wir im Restaurant ankamen, fiel mir beim Ausziehen meiner Jacke meine Tasche aus der Hand. Sie öffnete sich und aus ihr rollte mein Pfefferspray, das ich mir zuvor von meiner Nachbarin ausgeliehen hatte, weil ich ja nicht wusste, auf wen ich mich einließ, hervor. PEINLICH! Ich wollte einfach nur weglaufen, aber da kam auch schon die Kellnerin zur Hilfe, packte alles in die Tasche und er nahm mir, als sei nichts gewesen, mit einem Lächeln meine Jacke ab. Ich bestellte mir einen Salat. Zu dieser Zeit kämpfe ich auf Grund des ganzen Stresses mit Appetitlosigkeit und ich konnte mich während des Essens auch nicht so zeigen, wie ich eigentlich bin. Wir sprechen heute noch oft über unser Kennenlernen und er beschreibt mich als „Eisprinzessin, die den ganzen Abend wortkarg und desinteressiert in ihrem Essen rumstocherte.“ 😊

Magischer Moment

Dabei war ich eigentlich nur ein bisschen überfordert mit der ganzen Situation. Er redete viel über seine Eltern und ich fand es toll, dass er sich so um sie sorgte, weil ich auch ein Familienmensch bin. Und dann zeigte er sich von seiner tollpatschigen Seite und lies ein Glas aus der Hand fallen. Das brachte das Eis dann endgültig zum Schmelzen und lockerte die Stimmung auf. Irgendwann als ich in seine blauen Augen schaute, fühlte ich eine tiefe Verbindung zu ihm auch, wenn wir eigentlich Fremde waren. Als wir dann zurück im Auto waren, unterhielten wir uns stundenlang über Gott und die Welt, wir lachten viel und ich merkte, dass ich in seiner Anwesenheit all die Probleme vergessen konnte. Im Laufe des Abends hatte ich das Gefühl, einen wirklich tollen Menschen kennengelernt zu haben und wollte diesen für uns magischen Moment unbedingt festhalten. Also nahm ich mein Handy und machte die Fotos von unserem ersten Date. Eines davon schickte ich sogar meiner Mama.

Zuhause angekommen, bekam ich noch eine Nachricht von ihm. Er bedankte sich für den schönen Abend und wünschte mir eine gute Nacht. Seitdem trafen wir uns jeden einzelnen Tag. Ganz ohne lästige Spielchen, dafür mit ganz viel Herz.

Jetzt – nicht mal 3 Jahre später – sind wir verheiratet und erwarten in wenigen Tagen unser erstes gemeinsames Kind, ein Geschwisterchen für Liam. Das Leben ist verrückt. Doch die Liebe ist noch verrückter.

Personal

Die Trennung.

Es war nachts. Die Uhr zeigte 3:43, als ich plötzlich schweißgebadet wach wurde und meinen Atem regulieren musste, weil ich den schlimmsten Alptraum zu jener Zeit hatte. Man kann es Vorsehung, Aberglauben oder auch Intuition nennen. Aber in dieser Nacht verriet mir mein Unterbewusstsein, dass es Zeit war, loszulassen. Und dann war sie da: So plötzlich, etwas unerwartet und doch mit lautstarker Ankündigung: Die Trennung:

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Neues Leben, neue Kolumne

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Eigentlich wollte ich schreiben, wie schmerzhaft es ist, wenn ich mich jedes zweite Wochenende von Liam trennen muss, weil er dann bei seinem Vater ist. Eigentlich wollte ich schreiben, welche emotionalen Hindernisse ich in diesem Trennungsjahr – nicht als Frau, sondern als Mutter – überwinden musste, weil es für mich eine psychische Belastung war, mein Kind auch mal „abzugeben“: Wie oft waren die Freitage, an denen wir uns verabschieden mussten, die schlimmsten Wochentage und die Sonntagabende, an denen ich meinen kleinen Jungen wieder in die Arme schließen konnte, waren die besten.

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Personal

Ich muss euch was erzählen

Es war etwas still in den letzten Wochen hier auf dem Blog. Eine kleine Ruhepause. Eine Art Atempause für mich. Denn das echte Leben hatte mich eingeholt und ich musste mich erstmal mit meiner neuen Rolle anfreunden. Aber es warteten auch schöne neue Herausforderungen, die nun Teil meines Lebens sind. Und das alles möchte ich heute mit euch teilen.

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Darf eine Feministin Brüste zeigen wie Emma Watson in der Vanity Fair?

Emma Watson Feminismus Vanity Fair

Darf man als Feministin Brüste zeigen oder wird man gleich virtuell gesteinigt wie Emma Watson? Die Schauspielerin und UN-Botschafterin, die sich immer wieder für Frauenrechte einsetzt, zeigt sich in der aktuellen März-Ausgabe der Vanity Fair ungewohnt freizügig und ganz ohne BH. Nun ist eine heftige Diskussion entbrannt, ob sie ihre Rolle als Feministin verraten habe. Sie selbst versteht die Welt nicht mehr und fragt sich: „Was haben meine Brüste damit zu tun?“

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