Babykolumne Family Personal

Warum ich mit den Kindern zu meinen Eltern gezogen bin und warum es die beste Entscheidung war

Anfang des Jahres fanden wir unsere Traumwohnung. Wir unterschrieben den Kaufvertrag, renovierten unser neues Heim und zogen im Hochsommer – allesamt und ich hochschwanger – ein. Unser Familienleben zu viert hatten wir uns hier bereits ausgemalt. Wir fühlten uns wohl. Mehr als das sogar! Das Gefühl von Zuhause hatte ich nie stärker empfunden als hier in unserer eigenen Wohnung. Hier also, wo wir alles nach unseren Wünschen gestaltet und eingerichtet hatten, sollten die ersten Erinnerungen als vierköpfige Familie geschrieben werden. Doch es kam alles ein bisschen anders:

Nur vier Wochen nach Alexanders Geburt musste mein Mann für mehrere Wochen beruflich ins Ausland reisen, um dort ein Projekt zu betreuen. Das liebgemeinte, aber aktuell schlecht umsetzbare Angebot seines Chefs, uns mitzunehmen, konnten wir leider nicht wahrnehmen. Also stand ich vor der Wahl: Bleibe ich allein mit einem Baby und einem Kindergartenkind zu Hause in Kiel und wuppe das Ganze eben auch ganz allein oder ziehe ich während dieser Zeit mit den Kindern vorübergehend zu meinen Eltern ins Haus auf dem Dorf und nehme die Unterstützung meiner Familie an?

„Du musst irgendwann selbstständig werden, Ari!“

So eine liebe Freundin zu mir, als ich ihr im September von unseren Plänen erzählte. Es war keine leichte Entscheidung für mich gewesen. Nächtelang überlegte ich hin und her. Was mache ich? Was ist das Richtige – für uns, für mich und für die Kinder? Doch irgendwann, nach vielen Gesprächen mit meinem Mann fiel der Groschen: Ich erkannte endlich, warum ich mich so schwer mit der Situation tat und nicht einfach, wie sonst auch immer, auf mein Bauchgefühl hörte: Ich hatte Angst, mir selbst einzugestehen, dass ich eben nicht so superstark und unabhängig bin, wie ich es immer sein wollte.

Ja, ich nehme die Hilfe an

Wir entschieden uns letztendlich für die bestmögliche Option. Die beste Lösung für unsere Situation. Die beste Alternative aber auch zu Zeiten einer Pandemie. Ich sagte NEIN zu dem, was von mir erwartet wurde und JA zu dem, was ich mir insgeheim erhofft hatte. Ja, ich nahm die Hilfe an! Und es fühlte sich verdammt gut an! Die Last, die ich sonst auf meinen Schultern ganz allein getragen hätte, verteilte sich nun auf mehrere Familienangehörige. Und dieses Gefühl beruhigte mich sehr.

Meine Freundin meinte es nicht böse mit mir. Da bin ich mir sicher! Ich fühlte mich auch in keiner Weise angegriffen. Dennoch dachte ich viel über diesen Satz nach: Bin ich automatisch unselbstständig, wenn ich als Mutter Hilfe annehme? Bin ich womöglich eine schwache Mutter, weil ich nicht immer alles allein wuppen will oder etwa kann? Heute – nach fast drei Monaten Dorfleben im Mehrgenerationenhaus mit meinen Liebsten – kann ich nur sagen, dass es die beste Entscheidung für mich, für die Kinder und den Rest der Familie war.

Selbstständigkeit verloren, Zusammenhalt gewonnen

Ob große Glücksmomente oder mittelschwere Katastrophen – niemals fühlte ich mich während dieser Zeit in meinem Elternhaus allein. Denn immer war jemand aus der Familie da. Jemand, der mich in den Arm nahm, wenn ich weinte, weil das Baby schrie. Oder jemand, der mir einen heißen Tee und ein Wärmekissen ans Bett brachte, weil ich dafür keine eigene Kraft mehr aufbringen konnte. Zu keinem Zeitpunkt fühlte ich mich einsam. Weder mit meinen Gefühlen noch mit meinen Gedanken.

Ich gab zwar ein Stückchen meiner Selbstständigkeit ab, doch gewann ich dafür etwas noch viel Wertvolleres – bedingungslosen Zusammenhalt.

Es ist eben egal, ob du als Mutter alles allein schaffst oder nicht. Dein Kind wird dir keine „best-mom-ever-Medaille“ dafür verleihen, dass du wie eine chronisch Verrückte durch den viel zu kurzen Tag hetzt, nur um alles selbst zu managen, weil du es dir und vor allem aber allen anderen beweisen willst. Dein Kind will eine Mutter, die ihm geduldig zuhört, die mit ihm in seine Fantasiewelt abtaucht und die gemeinsam mit ihm auf dem Boden liegt, um sich in aller Gelassenheit den leuchtenden Sticker-Sternenhimmel im Kinderzimmer anzuschauen.

Gib die Kinder auch mal ab

Lass dich doch hin und wieder bekochen, wenn du nicht wieder Nudeln mit Käsesoße essen willst, weil es das einzige Gericht ist, was dir schnell von der Hand geht. Gib die Kinder auch mal für ein oder zwei Stunden ab, um dich auszuschlafen oder aber um dir einfach mal in Ruhe die Nägel zu machen. Lass den Haushalt auch mal liegen und geh mit deinem Kind auf Monsterjagd, wenn es das ist, was er sich jetzt gerade von dir wünscht. Wichtig ist nur, dass du dich bei all dem Trubel nicht selbst verlierst und immer gut für dich sorgst – für dich, dein Seelenleben und deine Familie. Und wenn das bedeutete, dass du dein Ego kurz beiseitestellen musst, um die Hilfe anzunehmen, die dich so sehr entlastet, dann tue es!

Übrigens ist mein Mann mitllerweile zurück aus dem Ausland und freut sich, dass es den Kindern gut geht und dass er eine glückliche und entspannte Frau hat, der das Dorfleben sichtlicht gut getan hat. 🙂

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3 Comments

  • Reply
    Laura
    6.01.2021 at 12:17

    Hallo Ari,
    was für ein schöner und aufrichtiger Artikel. Ich finde es klasse wie ehrlich du bist und Hilfe annimmst. Ich selbst neige gerne dazu immer alles alleine zu schaffen und bloß keine Hilfe anzunehmen, es könnte ja eine Art Schwäche sein. Umso schöner ist es deinen Artikel zu lesen und wie du zu deinen Eltern gezogen bist und Unterstützung angenommen hast.
    Beste Grüße
    Laura

  • Reply
    Flora
    24.12.2020 at 1:07

    Wunderbarer ehrlicher Artikel ♥️

  • Reply
    Carsten
    23.12.2020 at 17:46

    Wunderbar geschrieben!

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