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Warum mein Freund nicht mein Seelenverwandter ist und ich es gut finde

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Hängt eine glückliche Beziehung wirklich davon ab, wie viele Gemeinsamkeiten man als Paar hat? Lange Zeit lebte ich nach der Vorstellung, dass mein Partner mein bester Freund und mein Seelenzwilling sein muss, damit ich mich wirklich zu 100 Prozent wohl, geboren und aufgehoben in der Zweisamkeit fühle. Mittlerweile habe ich eine etwas andere Sicht:

Das Scheitern der scheinbaren Seelenverwandtschaft

In meiner letzten Beziehung gelang es mir, diese Vorstellung für eine gewisse Zeit aufrechtzuerhalten: doch mit den Jahren bleib davon nicht viel übrig. Statt Gemeinsamkeiten gab es immer mehr Konflikte, die irgendwann beiderseits unüberbrückbar waren. Denn, wenn man das Gefühl hat, dass die Partnerschaft zu einem reinen Kompromiss wird, dass man keine Kraft mehr hat, weil jede ach so winzige Kleinigkeit in einer hitzigen Diskussion ohne Versöhnung endet, dann ist auch nach 11 langen Jahren nicht nur die Liebe und das Vertrauen, sondern auch die Bereitschaft zum gemeinsamen Wachsen verflogen.

Die Sehnsucht nach meinem männlichen Pendant war zu diesem Zeitpunkt gescheitert. War ich doch so fest davon überzeugt, dass es jemanden geben muss, der mich vollkommen macht. Und genau hier lag – aus heutiger Sicht – mein Denkfehler, den ich erst später entdecken sollte:

Mit einem Seelenverwandten hat man es einfacher oder?!

Warum suchen wir überhaupt nach einem Seelenzwilling? Vielleicht weil wir denken, dass man es in einer Beziehung mit ihm leichter hat? Vielleicht, weil man sich nicht so oft streitet? Sollte doch auch nicht vorkommen –  mit dem idealen Partner, der einen ohne Worte versteht. Er weiß doch ganz genau, wie man denkt, wie man fühlt, was man will und was man ablehnt. Mit einem Seelenverwandten, von dem man sich grenzenloses Verständnis erhofft, kann man ja nur auf einer Wolke der Harmonie schweben. Aber, wenn man glaubt, man sei entweder für einander geschaffen oder nicht, dann tendiert man doch viel eher dazu, schon kleine negative Dinge in der Beziehung als Warnsignal zu deuten: Wenn man für einander vorbestimmt ist, sollte doch alles ohne große Mühe laufen. Oder?

Ist es der Richtige?

Gerade deswegen denke ich, dass die Suche nach einem Seelenverwandten, nach einem Menschen, mit nahezu identischen Gemeinsamkeiten, falsche Erwartungen wecken kann: Man ist so sehr darauf fixiert, jemanden zu finden, der exakt genauso tickt wie man selbst, dass man sich davor verschließt, sich auf eine Beziehung mit einem Menschen einzulassen, der in vielen Bereichen anders ist. Falls man schon in einer Partnerschaft ist und bemerkt, dass man oft andere Ansichten hat, fängt man dann auch recht schnell an, daran zu zweifeln, ob man mit dem Richtigen zusammen ist. Aber wo bleibt dann die Bereitschaft, eine Beziehung aufzubauen, an ihr zu arbeiten und gemeinsam zu wachsen?

Konflikte führen zur Kommunikation

Konflikte sind nichts Schlimmes. Und das musste ich erst in den letzten Monaten lernen. Denn ich war es jahrelang gewöhnt, dass jede Auseinandersetzung existenzielle Spuren hinterlässt, sodass ich in meiner neuen Beziehung beinahe schon panische Angst davor hatte, wenn unsere Meinungen mal auseinandergingen. Aber solange man das Gefühl hat, dass keiner von beiden eine Ego-Nummer durchzieht, können Konflikte sehr bereichernd sein. Würde ich mich mit meinem Freund immer blind verstehen, müssten wir ja gar nicht mehr reden. Und das wäre meiner Meinung nach fatal. Ohne Kommunikation kann ich doch gar nicht wissen, warum er diese und nicht die andere Position vertritt. Für mich steht die gemeinsame Entwicklung und nicht das einseitige Verfolgen einer bestimmten Vorstellung im Vordergrund.

Ich brauch keinen Seelenverwandten, um mich vollkommen zu fühlen

Es ist ok für mich, wenn wir nicht alles zusammen machen, wenn jeder seinen Freiraum hat, auch mal allein verreist und andere Hobbys hat. Nur, weil ich einen Mann an meiner Seite habe, muss ich doch nicht von ihm erwarten, dass er mich vollkommen macht. Ich allein bin dafür zuständig, mein Leben so zu gestalten, so zu leben und so zu lenken, dass ich mich ganz ohne Gegenpart vollkommen genug fühle.

Wahre Liebe braucht keinen Seelenverwandten

Wenn man das begriffen hat, ist es der erste Schritt zur Akzeptanz. Und hier fängt für mich wahre Liebe an: Denn Liebe ist, wenn ich den Menschen so annehme wie er ist, weil er mich so lässt, wie ich bin. Weil er mir Geborgenheit schenkt, weil ich bei ihm dieses besondere Gefühl habe und weil ich sehe, wie wundervoll er mit meinem Kind umgeht.

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