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Wie ich gelernt habe, meine Gefühle zuzulassen

Was passiert, wenn man sich selbst untreu wird, ohne es zu merken?

Ich bin schon immer ein sehr emotionaler Mensch gewesen und habe mit voller Überzeugung zu allen meinen Gefühlen gestanden. Mir war es immer egal, was andere davon halten, wenn ich Emotionen zulasse und diese auch äußere. Mit der Zeit stellte ich fest, dass es nicht immer von Vorteil ist, wenn man immer direkt sagt, was man denkt und fühlt. Warum? Weil man sich dadurch leider oft angreifbar und uninteressant macht.

In den letzten Monaten habe ich mich selbst beobachtet und festgestellt, dass ich mich sehr gewandelt habe: Ich habe gelernt, dass ich mit einem Partnern leben kann, der beruflich viel unterwegs ist. Was natürlich zur Folge hat, dass ich einige Perioden des Alleinseins habe. Was noch vor zwei Jahren undenkbar für mich gewesen wäre – nämlich einen Mann an meiner Seite zu haben, der eben nicht immer jeden Tag bei mir ist – ist heute pure Normalität und ich bin komplett fein damit. Damals hätte ich wirklich niemals gedacht, dass ich mit so einer Situation so gut klarkommen könnte. Niemals! Ich würde sogar von mir behaupten, dass ich teilweise zu klettig war, was aus heutiger Sicht nicht wirklich Sinn macht. Vielleicht war ich zu jung, um zu erkennen, dass eine gewisse Distanz auch innerhalb einer Beziehung so wichtig und fruchtbar sein kann.

Ich kann euch nur sagen, dass es nicht von Anfang an so einfach war, damit umzugehen, dass mein Freund einfach mal für eine gewisse Zeit auf einem anderen Kontinent verbringt, während ich hier mit meinem Kind, dem üblichen Alltag und regulärem Job zurückbleibe. Hallo Zeitverschiebung, hallo neue Herausforderungen. Wir haben sie alle gemeistert, aber es war zu Beginn echt schwer: Manchmal bin ich aufgestanden, wenn er ins Bett gegangen ist. Zwei komplett unterschiedliche Leben in zwei komplett unterschiedlichen Ländern zu vereinen, klingt vielleicht nicht idealtypisch für eine romantische Beziehung, aber mit viel Liebe, Verständnis und dank einer cleveren Terminkoordination haben wir bisher auch diese Hürden gemeistert.

Anfangs spürte ich diesen großen, tiefen Schmerz, wenn mein Freund wieder für eine längere Zeit verreisen musste. Ich wollte stark bleiben und ich wollte ihm auf keinen Fall ein schlechtes Gewissen machen! Denn das hatte er nicht verdient, weil er mich auch genauso nimmt, wie ich bin – trotz meiner komplizierten Ausgangslage. Er ist meine Stütze und auch wenn er physisch nicht dauerhaft hier ist, ist er doch immer und jederzeit für Liam und für mich da. Außerdem weiß ich, dass er seinen Job liebt und ich unterstütze ihn zu 100 Prozent! Denn eines steht für mich fest: Ich will niemals einen Mann haben, der zwar jeden Tag bei mir, aber unzufrieden mit seinem Beruf ist. Also sagte ich mir immer wieder, dass ich mich zusammenreißen soll und dass ich die Situation dadurch auch nicht verbessere, wenn ich den Abschiedsschmerz so groß inszeniere.

Die ersten Tage des Getrenntseins voneinander sind immer die schlimmsten und dann spielt sich der Alltag ein und man gibt sich damit zufrieden. Vor allem als arbeitende Mama eines kleinen Jungen ist mein Tag so vollgestopft, dass ich häufig keine Zeit habe, um zu viel über meine Gefühle nachzudenken. Irgendwann funktioniert man nur und dieser Zustand ist es, der mich dazu treibt, oft kühler zu wirken als ich bin.

Der Drang, stark zu sein, trieb mich dazu, die Kühle zu spielen, ohne, dass ich es bewusst wahrnahm. Ich wollte mich weder zu doll über etwas freuen, noch zu traurig über etwas sein. Also verwandelte sich diese angebliche Stärke in eine Art ungewollte Gleichgültigkeit, die ich aber nur ausstrahlte und niemals so empfand. Ich wollte immer so sehr cool bleiben, bis ich mich selbst dabei ertappte, dass ich mich völlig untypisch für mich verhielt. Ich verabschiedete mich von meinen wahren Träumen und Vorstellungen, nur um nicht verletzt zu werden, wenn dann doch etwas dazwischenkommt. Und dann merkte ich, dass das völlig unnötig war. Ich muss mich nicht verstellen, um gut durchs Leben zu kommen. Denn ich werde so geliebt, wie ich bin und nicht so wie ich vortäusche zu sein.

Für 2019 nehme ich mir vor, wieder ich selbst zu sein und zu meinen Emotionen zu stehen, denn sie sind es, die uns alle ausmachen.

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3 Comments

  • Reply
    Tamara Wilson
    28.01.2019 at 7:45

    Amazing looks!! Thanks for sharing babe.

  • Reply
    Meri
    14.01.2019 at 8:31

    Ein wirklich wundervoller Text. Ich erkenne mich in einigen Abschnitten selbst wieder. Hab deine Kolumnen vermisst! Endlich bist du wieder da und ich finde, du machst das klasse! Du arbeitest so viel, bist eine tolle Mama und dann bist du auch immer du selbst auf deinem Blog. Ich wünsche euch viel Glück für eure Liebe und kleine Familie und hoffe, dass du bald wieder von dir hören lässt.
    Liebst, Meri

  • Reply
    Franzi
    14.01.2019 at 7:56

    So schön von dir zu lesen, Ari.
    Du meisterst das toll – und auch deine Vorsätze wirst du erfolgreich in die Tat umsetzen! Alles Liebe! xoxo

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