Personal

Die Trennung.

Es war nachts. Die Uhr zeigte 3:43, als ich plötzlich schweißgebadet wach wurde und meinen Atem regulieren musste, weil ich den schlimmsten Alptraum zu jener Zeit hatte. Man kann es Vorsehung, Aberglauben oder auch Intuition nennen. Aber in dieser Nacht verriet mir mein Unterbewusstsein, dass es Zeit war, loszulassen. Und dann war sie da: So plötzlich, etwas unerwartet und doch mit lautstarker Ankündigung: Die Trennung:

Wenn eine Ehe zerbricht

Es ist fast genau 1 Jahr her. 1 Jahr voller Veränderungen. 1 Jahr, in dem ich zu einer anderen Frau wurde, weil ich das Leben neu kennenlernte. Die Trennung – sie war dann plötzlich da. Genauer genommen hat sie sich schleichend angekündigt. Und das schon Jahre vorher. Ich habe sie immer um die Ecke schleichen sehen. Doch irgendwie wollte ich sie nie wahrnehmen. Bei jeder Auseinandersetzung, jeder Diskussion und jedem folgenschweren Konflikt zerbrach diese Ehe immer Stück für Stück weiter.

Mit 30 Jahren hatte ich alles, wovon ich immer geträumt hatte: Ich war verheiratet, glückliche Mama und hatte einen Job, den ich liebte. Bis dahin hatte das Leben es wirklich gut mit mir gemeint. Doch letztes Jahr bin ich durch Himmel und Hölle gegangen:

Das anfängliche Glück, die Jahre der Vertrautheit, der partnerschaftliche Umgang – sie schwanden schmerzlicher Weise dahin. Jeder Versuch, die zerbrochenen Stücke wieder mühsam zu einem harmonischen Gesamtbild zusammenzufügen, scheiterte. Dieses Karussell zwischen Konflikt und Versöhnung drehte und drehte und drehte sich, bis mir schwindelig wurde. Ich hatte manchmal das Gefühl, es wäre nicht mein Leben. Zu dem Zeitpunkt funktionierte ich nur auf Sparflamme und spürte eine tiefe Traurigkeit in mir. Eines Tages, da saß ich in der Küche im Haus meiner Eltern und trank meinen Kaffee, als meine Mama mich anschaute und meinte: „Arevik, deine Augen. Sie leuchten nicht mehr!“ Und mir war klar, dass ich niemandem mehr was vormachen musste.

Die Idee von einer Ehe

Denn als ich (vermeintlich) alles hatte, stellte mich das Leben auf eine Probe: Ich bemerkte, dass ich jahrelang an der Vorstellung von dem Konzept der heilen Familie klammerte. Die Idee der Ehe – sie klang verlockend. Doch die zwei Hauptkateure waren einfach nicht für einander geschaffen. Ich hielt an etwas fest, was nicht für mich geschaffen war. Heute weiß ich, dass ich die Alarmglocken ganz anders wahrnehmen würde.

Aber wie geht man damit um, 11 ½ Jahre seines Lebens von heute auf morgen über Bord zu werfen? Alle Zeichen standen auf Alarm, aber ich hatte nicht den Mut, um auszusteigen. Ich machte einfach mit, bis mir mein Unterbewusstsein ein solch lautes Signal gab, das ich nicht mehr anders konnte, als zu handeln:

„Ich werde wieder glücklich werden“

Plötzlich saß ich da. Alleinerziehend. Mit meinem Kind auf meinem Schoß. Zu zweit in der Wohnung, in der wir als Familie eingezogen waren. Die ersten Tage fühlten sich wie im Halbschlaf an. Ich nahm alles verschwommen wahr. War das unser Leben? Was wird aus meinem Kind? Werde ich es auch alleine schaffen? Nun fühlte sich alles anders an. Ich schaute mich um, ich atmete tief durch, fühlte eine Art Befreiung und dann sagte ich zu mir: „Meinem Kind wird es gut gehen. Wir werden es überleben. Ich werde wieder glücklich sein.“

„Es lohnt sich“

Dieser damalige Alptraum, in dem ich alles sah, wovor ich damals so viel Angst hatte, entpuppt sich aus heutiger Sicht als Rettung. Manchmal ist das Schlechte, das einem widerfährt, eben doch nur der richtige Anstubser zum wahren Glück. Auch, wenn man nicht mehr an das große Glück glaubt. Auch, wenn man wieder von vorne beginnen muss. Es lohnt sich, wieder Kraft und Mühe in sein eigenes Leben zu investieren. Es lohnt sich, wieder aufzustehen, sich die Tränen wegzuwischen und den Tag mit einem Lächeln zu beginnen. Es lohnt sich, alte Lasten zu beseitigen, an sich selbst zu arbeiten, sich Zeit für sich zu nehmen, zu verzeihen, zu vergeben und wieder an das Gute zu glauben.

Denn damals ahnte ich nicht, dass ich schon bald jemanden kennenlernen würde, der meine Augen wieder zum Leuchten bringen würde.

Fortsetzung folgt..

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3 Comments

  • Reply
    Bea
    8.09.2018 at 23:38

    Hi Ari,

    Du hast mich mit diesem Text gefesselt. Ich wünsche dir nur das Beste und freue mich auf diese Kolumne.

    Liebe Grüße, Bea

  • Reply
    Lara
    8.09.2018 at 22:46

    Liebe Ari,

    ich hab Tränen in den Augen! Das hast du so schön geschrieben. Es ist traurig was passiert ist, aber es ist toll, dass ihr das so gut meistert. Und das was ic hraushöre ist, dass es auch dem Kleinen gut geht und das ist sehr viel Wert.
    Bin schon auf die Fortsetzung gespannt!!! Wann kommt die denn?

    Lara

  • Reply
    Franzi
    8.09.2018 at 22:37

    Was für ein ehrlicher und schöner Text! Danke dass du uns an deinen Gedanken und Erfahrungen teilhaben lässt, liebe Ari

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