Babykolumne

Babykolumne: Krippe und Tagesmutter

Dass ich Liam relativ früh bei der Kindertagespflegeo oder bei einer Tagesmutter  anmelden müsste, war mir seit Beginn der Schwangerschaft bewusst. Dennoch habe ich mich nicht gerne mit diesem Gedanken beschäftigt, weil ich – wenn es um mein Kind geht – einfach zu emotional bin. Mir schießen gleich die Tränen in die Augen, wenn ich daran denke, dass er noch so klein und so unbeholfen bei fremden Menschen untergebracht wird.

Elternzeit

Natürlich stand schon länger fest, dass ich nach der Elternzeit wieder arbeiten würde. Natürlich wusste ich, dass ich nicht ewig zuhause bleiben könnte. Dennoch wollte ich in den vergangenen Monaten einfach nur die Zeit mit meinem Baby genießen, ohne ständig daran zu müssen, ihn im kommenden Jahr in die Krippe oder bei einer Tagesmutter „abzugeben“. Wie sich das anhört: „dein Kind abgeben“. Aber leider höre ich diese Phrase nur allzu oft und allzu gerne von Frauen, die teilweise selbst noch keine Kinder haben.

So erzählte mir eine (kinderlose) Bekannte so ganz salopp und nebenbei, dass sie es nicht verstehen könne, wie man nur ein Jahr nach der Geburt des Kindes wieder in den Beruf einsteigen könnte. Dann soll man es gleich lassen mit dem Kinderkriegen. Warum bleibe man nicht gleich drei Jahre zuhause? Wie bitte? Ich war schockiert! Nicht nur, dass ich in ihren Augen  zu den herzlosen Rabenmüttern zählte, denn schließlich werde ich ab Ende März wieder arbeiten. Auch schockierte mich ihre unterkühlte Art, so über Mütter zu reden, die vielleicht nicht anders können, als ihr Kind bei einer Tagespflege unterzubringen. Vielleicht können es sich einige Familien nicht leisten nur von einem Gehalt zu leben? Vielleicht weiß sie auch nicht, wie problematisch es ist, überhaupt einen Betreuungsplatz für das eigene Kind zu bekommen. Wir haben uns bei mehreren Trägern angemeldet und standen oft auf Platz 20 der Warteliste!

Karriere

Ich gehöre noch zu den Glücklichen, die verständnisvolle Arbeitgeber haben. Denn mit ihnen habe ich ein Modell ausgearbeitet, was nicht nur meiner Familie, sondern auch ihnen zusagt. Ich darf 20 Stunden an vier Tagen in der Woche arbeiten. Für mich eine tolle Lösung, um eine gute Mutter zu sein, die trotz Arbeit, viel Zeit für das Kind hat. Und eine gute Lösung, um mich selbst als Frau zu verwirklichen. Ich habe hart dafür gearbeitet, um diesen Job ausüben zu können, ich habe sieben verdammte Jahre studiert, Praktika absolviert, neben der Uni gearbeitet, um später einmal das auszuüben, was mir Freude bereitet. Ich darf in meinem Job Texte schreiben, mich mit Social Media befassen und bin mit lieben Menschen zusammen.

Jede Frau definiert sich anders. Jede Frau hat ihre eigenen Lebensziele. Ich persönlich möchte beides: eine gute, fürsorgliche Mutter sein und – wenn man so will – „Karriere machen“. „Karriere machen“ – ohje, jetzt habe ich es tatsächlich gewagt, ausgesprochen und darf bestimmt wieder einen Shitstorm von Übermuttis über mich ergehen lassen 🙂 Nein, ich renne nicht dem großen Geld hinterher. Auch strebe ich nicht danach, ständig auf Achse zu sein und für Meetings in fremde Länder zu reisen. Mir reicht mein familienfreundlicher Job.

Tagesmutter

Klar, dass ich Liam schon mit knapp neun Monaten zu einer Tagesmutter bringen müsste, weil wir sonst nirgends einen Platz bekommen haben, war mir – ganz ehrlich gesagt – auch nicht klar. Vor ein oder zwei Jahren hätte ich hektisch mit dem Kopf geschüttelt und gesagt, dass ich mein Kind niemans so früh einer fremden Personen anvertrauen könnte. Aber die Realität ist nun einmal eine andere. Und sie tut auch mal weh. Ich glaub, jede Mutter, die arbeitet, kennt das Gefühl, wovon ich spreche. Der Gedanke, das eigene Baby „abzugeben“, fühlt sich an, als würde ein großer Teil deines Körpers abgeschnitten werden. Aber was soll man machen, wenn die Familie nicht in der gleichen Stadt wohnt? Meine Eltern, meine Oma und Schwiegereltern wohnen leider nicht in Kiel. Mein Mann ist voll berufstätig. Und ich? Ich möchte wieder meinen Job, der mir Spaß macht, ausüben. Allerdings ohne das Gefühl zu haben, eine Rabenmutter zu sein, die ihr kleines Baby einfach so „abgibt“.

Ich bin ehrlich: Ich kann nicht in die Zauberkugel gucken. Ich habe Befürchtungen: Wird sich Liam gut bei der Tagesmutter eingewöhnen? Kommt er mit den anderen Babys zurecht? Ich weiß es nicht. Die Ungewissheit bleibt. Aber ich bin zuversichtlich. Deswegen nehme ich mir mit der Tagesmutter im Rahmen des Berliner Modells sehr viel Zeit, damit die Eingewöhnungsphase für Liam so entspannt wie möglich verläuft. Ob alles klappt, wie ich es mir vorstelle, weiß ich nicht. Aber ich wünsche mir eins: Lasst doch die Mütter selbst entscheiden, welchen Weg sie gehen.

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7 Comments

  • Reply
    Mein Jahresrückblick: Working Mom | Blogangebot | Jugendliebe
    10.01.2017 at 18:53

    […] wusste ich, dass ich mich ab sofort daran gewöhnen musste, Liam für ein paar Stunden am Tag in die Kindertagespflege zu geben. Die Eingewöhnung verlief bei uns schwieriger als gedacht. Liam wurde häufig krank, wir […]

  • Reply
    Personal: 2016 Halbjahres-Resümee
    12.06.2016 at 23:43

    […] um ganz ehrlich zu sein –  sehr schwer für mich. Über diese schwierige Zeit, habe ich bereits hier berichtet. Aber nach und nach habe ich gemerkt, wie glücklich er dort mit den anderen Kindern ist […]

  • Reply
    Personal: Meine Highlights 2015 | Moderiamia | Modeblog für Modemädchen & Mamas
    3.01.2016 at 16:27

    […] Es stehen einige Veränderungen an: Ich werde ab Frühjahr wieder arbeiten, Liam kommt zu einer Tagesmutter und eventuell steht der erste große Auslandsurlaub mit Baby in ein ganz besonderes Land an. Ich […]

  • Reply
    Tamara
    26.11.2015 at 11:40

    I loved reading your thoughts, I wish you a great weekend and hope everything will turn out well!

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    Tamara xxx

  • Reply
    Patricia Sophie
    24.11.2015 at 20:39

    Ein wunderbarerer Artikel. Ich habe Freundinnen, die sind nur Zuhause mit Ihren Kindern. Aber ich glaube, um ehrlich zu sein dass wäre auch nichts für mich. Viele andere Bekannte studieren mit Kind und sind es irgendwie von Anfang an gewöhnt auch ohne Baby zu sein – zumindest für einige Stunden am Tag, nach einem halben Jahr. Aber, Erziehungssache ist ja total persönlich und jeder soll es so machen, wie er sich am wohlsten fühlt!

    PS: Du bist eine der hübschesten Mamis die ich kenene 🙂

    Bisous aus Berlin, deine Patricia
    THEVOGUEVOYAGE

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    Jacqueline
    23.11.2015 at 17:41

    Das hast Du super geschrieben!!!

    Es spielen so viele Faktoren mit, wie man sich entscheiden muss oder soll!

    Und jede Familie entscheidet anders, was ja auch gut ist!!

    Liebes, ich wünsche Dir eine schöne Woche und gute Besserung für Deine Familie!!

    xoxo Jacqueline
    http://www.hokis1981.blogspot.com

  • Reply
    Saskia
    23.11.2015 at 1:22

    Sehr vernünftig. Ich hoffe, dass bei euch alles gut klappt.

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