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Darf eine Feministin Brüste zeigen wie Emma Watson in der Vanity Fair?

Emma Watson Feminismus Vanity Fair

Darf man als Feministin Brüste zeigen oder wird man gleich virtuell gesteinigt wie Emma Watson? Die Schauspielerin und UN-Botschafterin, die sich immer wieder für Frauenrechte einsetzt, zeigt sich in der aktuellen März-Ausgabe der Vanity Fair ungewohnt freizügig und ganz ohne BH. Nun ist eine heftige Diskussion entbrannt, ob sie ihre Rolle als Feministin verraten habe. Sie selbst versteht die Welt nicht mehr und fragt sich: „Was haben meine Brüste damit zu tun?“

Emma Watson in der Vanity Fair

Es fing an mit einem Tweet der Journalistin Julia Hartley-Brewer, die eines der Fotos postete, auf dem Emma Watson eine Art kurzen, großmaschigen, weißen Strickbolero von Burberry trägt, ohne BH oder Sonstiges darunter, sodass Teile ihrer Brüste hervorschauen. Doch wer als Feministin ernst genommen werden will, dürfe nicht so ihre Brüste präsentieren. Ist die Schauspielerin also, weil sie sich für die Mode-Zeitschrift „Vanity Fair“ ohne BH hat ablichten lassen, eine Heuchlerin?

Feminismus: Vom Korsett zum BH zur Brust

Emma Watsons Frage, was ihre Brüste mit Feminismus zu tun haben, ist nicht ganz ohne Provokation. Denn schon immer spielte die weibliche Brust für die Frauenrechtsbewegungen eine wichtige Rolle.

Anfang des 20. Jahrhunderts war es die Erfindung des BHs, die geradezu als eine Revolution gefeiert wurde, weil sie die Frau endlich von den unerträglichen Zwängen des Korsetts befreite. Welch ein Fortschritt für die Frau. Eigentlich. Denn heute ist der breite, elastische Taillengürtel das Trend-Piece 2017.

Ende der 60er Jahre geriet dann der BH in das Visier der Feministinnen. Er wurde zum Symbol für alle Arten der Einengung der Frau, und man begann, BHs öffentlich zu verbrennen. Was bleibt? Nun, die barbusige Frau als Sinnbild einer emanzipierten Feministin.

Hätte Emma Watson also nicht eher verurteilt werden müssen, wenn sie sich mit einem BH hätte ablichten lassen? Man könnte behaupten, die Empörung sei ein Zeugnis traditionalistischer Moral, die der Frau ihre Freizügigkeit verbietet. Auf der anderen Seite könnte man behaupten, Emma Watson erniedrige sich zu bloßem Fleisch –, wobei die Fotos meiner Meinung nach diese Assoziation ganz bestimmt nicht erwecken!

Emma Watsons Statement als Feministin

Die Schauspielerin hat sich nun zu Wort gemeldet und warnt vor Missverständnissen darüber, was Feminismus eigentlich ist. Er sei kein Stock, mit dem man nach anderen Frauen schlägt. Ihrer Meinung nach, gehe es vor allem darum, dass Frauen die Wahl haben. Es geht um Freiheit und Befreiung. Dabei scheint sie das ewige Symbol des Feminismus – die Brüste der Frau – endlich aus der Debatte heraushalten zu wollen. Denn egal, ob eine Frau barbusig ist, einen BH oder sogar ein Korsett trägt, kann sie immer noch eine emanzipierte Frau sein. Was einzig und allein zählt, ist doch, dass die Frau sich frei und bewusst dazu entschieden hat – und sich auch jeder Zeit wieder anders entscheiden darf!

Feminismus heute: Es ist schwer, eine Frau zu sein

Natürlich trage ich auch einen BH. Aber welche Frau sagt sich nicht, wenn sie endlich nach einem langen Tag zu Hause ist: „Jetzt aber raus aus dem Teil!“

Insgesamt würde ich mich als eine emanzipierte Frau bezeichnen, doch habe ich, ehrlich gesagt, so meine Probleme, mich offen eine Feministin zu nennen. Der Grund ist ganz einfach: Das Beispiel Emma Watsons zeigt, dass eine Frau, die sich als Feministin bezeichnet, sehr stereotypen Erwartungsbildern, kleinlichen Dogmen und einem großen sozialen Druck ausgesetzt ist. Was Frau macht, macht sie falsch – das scheint für eine bekennende Feministin wie Emma Watson in erhöhtem Maße zu gelten. Dabei ist es doch oft schon schwer genug.

Ich bin aber definitiv ein freiheitsliebender Mensch, der einerseits ganz bewusst traditionelle Werte vertritt – ich bin verheiratet, Mutter und liebe meine Familie über alles – und zugleich verteidige, bewahre und genieße ich die Unabhängigkeit, meine eigenen Entscheidungen zu treffen.

Aber macht mich das jetzt schon zu einer Feministin? Oder doch eher nicht?

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17 Comments

  • Reply
    Rebecca
    14.03.2017 at 22:37

    Liebe Ari,
    das ist so ein schöner Beitrag und man merkt sehr, wie sehr Dich dieses Thema beschäftigt und berührt, und das ja auch völlig zurecht.
    Ich versteh ehrlich gesagt nicht, warum Feminismus immer bedeuten soll, sich die Eigenschaft eine Frau zu sein, abzusprechen. Ich meine, darf ich nur für Frauenrechte eintreten, wenn ich mich benehme wie ein Mann und möglichst unweiblich bin? Wie soll sich denn dann eine normale Frau mit den selben Wünschen damit identifizieren.
    Ich finde es gut, den Kontrast so groß wie möglich zu halten. Warum lautet die Diskussion immer „weil ich Büste habe“, müsste sie nicht viel besser „gerade weil ich Brüste haben“ lauten?
    Es gibt nichts, was ein Mann schafft, eine Frau aber nicht schaffen kann, dessen bin ich überzeugt. Es gibt hingegen aber etwas, das eine Frau schafft und ein Mann niemals erreichen kann, ganz egal wie groß seine Bemühungen und Anstrengungen sind, und das ist es Leben zu schenken!

    xo, Rebecca
    http://pineapplesandpumps.com/

  • Reply
    Wochenrückblick: Birthday, Feminismus, Blogger-Doppelgänger
    13.03.2017 at 22:51

    […] habe mich sehr gefreut, dass mein Artikel über die Feminismus-Debatte, die Emma Watson unfreiwillig ausgelöst hatte, so gut bei euch angekommen ist. Eure Kommentare […]

  • Reply
    Sarah
    13.03.2017 at 20:10

    Ein sehr guter text! Ich kann dieses ganzen Medien Trubel auch gar nicht ganz nachvollziehen und finde diese ganze negative Argumentation darüber eigentlich nur traurig. In welcher Zeit leben wir denn?
    Liebe Grüße
    Sarah

  • Reply
    Elisa Zunder
    13.03.2017 at 16:17

    Liebe Ari,

    ich bin der Meinung, dass das eine mit dem anderen überhaupt nichts zu tun hat
    und kann den Shitstorm absolut nicht nachvollziehen. Geht es beim Feminismus
    nicht auch darum selbst über den eigenen Körper entscheiden zu dürfen und das
    muss eben jede Frau für sich selbst entscheiden.
    Ich finde Emma Watson weiterhin großartig!

    Liebst, Elisa von http://www.elisazunder.de

  • Reply
    Missevaloves
    13.03.2017 at 14:47

    Liebe Ari,
    ich bin Emma Watson Fan und zwar seit der ersten Harry Potter Stunde an.
    Ich respektiere und achte sie. Der Shit Storm gegen sie ist meiner Meinung nach völlig unangebracht und regt mich unglaublich auf.
    Und ehrlich gesagt denke ich, dass die Menschheit schwerwiegendere Probleme hat als Emma Watsons Dekoltee in einer Zeitschrift.
    Liebst!
    Eva

  • Reply
    Mihaela
    12.03.2017 at 21:53

    Liebe Ari, ein toller Post! Ich finde das Thema sehr schwierig, weil wir Frauen diejenigen sind, die sich meistens im Wege stehen und nicht genug unterstützen. Wir erwarten, dass die Männer uns respektieren, aber wir selber tun es oft nicht…

    Und ja, ich betrachte mich als eine Feministin. Aber ich lege einen großen Wert auf Tradition (wie z.B. Familie, Kinder, Ehe…)

  • Reply
    Melina
    12.03.2017 at 21:41

    Fantastischer Beitrag, den du mit tollen Bildern untermalst ♥ Also ich finde, dass wenn man sich zu sehr als Feministin outet (das Wort explizit benutzt), man sofort in eine Schublade gesteckt wird und jedes Wort umgedreht wird, was schade ist. Man muss doch nicht immer bei anderen Fehler suchen? Gerade andere Frauen hetzen da so schnell und zerstören damit die Emazipation, die man sich über jahrhunderte augfebaut hat im Nu.
    Liebst, Melina
    http://www.melinaalt.de

  • Reply
    Melli
    12.03.2017 at 18:49

    Danke für deinen tollen Beitrag liebe Ari! Ich fand den Shitstorm um das Thema einfach mega übertrieben!

    Liebe Grüße
    Melli
    http://www.fashionargument.de

  • Reply
    Tatjana
    12.03.2017 at 17:35

    Hey Ari, so ein spannendes Thema und ich finde es toll, dass du dich auch solchen Themen mal widmest. Ich liebe Emma Watson und freue mich schon auf „Die Schöne und das Biest“. Ich finde du zeigst wichtige Punkte auf und ich teile deine Meinung. Hab noch einen schönen Sonntag:-* lg Tatjana

  • Reply
    everyone'starling
    12.03.2017 at 15:50

    Du hast wirklich den Nagel auf den Kopf getroffen! Danke für diesen tollen Beitrag 🙂
    Walli und Kathi von http://www.everyonestarling.com

  • Reply
    CHRISTINA KEY
    11.03.2017 at 17:38

    Toller Beitrag und klasse geschrieben. Ich finde das ein bisschen übertrieben, dass sie deshalb kritisiert wird. Ich finde eh, dass Frauen oft andere Frauen zu Unrecht beschuldigen.

    Danke Dir für die tolle Inspiration.

    XX,

    http://www.ChristinaKey.com

  • Reply
    Sandra
    11.03.2017 at 14:36

    Liebe Ari, einen tollen Artikel hast da geschrieben. Ich habe auch große Schwierigkeiten mit den Begriffen „Feministin“ und „Emanzipation“. Irgendwie sind sie negativ im Sinne von aggressiv und streitlustig behaftet. Ich selbst liebe meine Freiheit und habe darauf immer bestanden. Ich lasse mir nichts diktieren oder vorschreiben. Was Emma Watson betrifft, finde ich auch, dass ihr Offenherzigkeit eigentlich schon zum Thema passt. Wir bestimmen über uns selbst !

    Liebe Grüße Sandra

    http://www.sandra-levin.com

  • Reply
    Bea
    11.03.2017 at 13:59

    Toller Beitrag, danke dafür! Mich nervt das Thema etwas, man redet ja auch nicht über Männer wenn sie ihren Hintern zeigen, warum muss das dann immer bei uns Frauen sein! Jeder soll das zeigen was er will, obs jetzt Männer oder Frauen sind, mir wird da eindeutig zu viel unterschieden!

    Lieben Gruß
    Bea
    http://Pinkcontour.blogspot.com

  • Reply
    Emma
    11.03.2017 at 12:15

    Der Beitrag gefällt sehr gut 😀
    Hab die kleinen Diskussionen darüber bereits im TV verfolgen können.
    Ich finde es krass, das sie kritisiert wird. Jeder soll tun was er möchte so lange niemand zu
    Schaden kommt.

    Liebe Grüße,
    Emma // http://www.emmabrwn.com

  • Reply
    Carmen
    11.03.2017 at 10:55

    Wirklich ein sehr guter Beitrag liebe Ari und das Thema ist auch sehr aktuell. Ich finde als Feministin geht es nicht nur darum, eine Frau zu sein, die nichts von sich preis gibt. Im Gegenteil, es geht doch darum, zu sich selbst zu stehen und sich so zu zeigen, wie man ist. Deshalb finde ich das Bild von Emma Watson überhaupt nicht schlimm. Sie gibt sich wie sie ist und jeder sollte das tun. Schlussendlich steht eine Feministin für die Gleichheit und Gleichberechtigung aller Geschlechter ein – und nicht nur diejenigen einer Frau 🙂
    Liebst, Carmen – http://www.carmitive.com

  • Reply
    Ricarda
    10.03.2017 at 20:09

    Danke für diesen tollen Text, toll geschrieben! Feminismus ist ein andauerndes Thema, was wichtig ist, weiterhin zu besprechen. Für unsere Rechte kämpfen müssen Frauen noch immer, aber ich finde, die Brüste sollten da nicht das Zentrum der Debatte sein 😉

    Ganz liebe Grüße,
    Ricarda von CATS & DOGS: http://www.wie-hund-und-katze.com

  • Reply
    Dana
    10.03.2017 at 17:12

    Liebe Ari, wiedwr einmal sehr packend geschrieben! ich finde es schlimm, dass sie wegen so etwas so schlimm kritisiert wurde. Traurig! Und das von einer Frau! So typisch, dass Frauen sich immer und immer wieder gegenseitig unter Druck setzen müssen. Ich finde, du bist ein Vorbild einer Feministin! Herzlich, neidfrei und intelligent!

    Xxx
    Dana

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