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#MamiMitWort: Eltern werden Liebespaar bleiben

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„Ihr müsst euch auch als Eltern Zeit zu zweit nehmen!““ Diesen gut gemeinten Tipp habe ich während meiner Schwangerschaft von so vielen Menschen in meiner Umgebung bekommen. Um ganz ehrlich zu sein, erschien mir dieser Ratschlag zu diesem Zeitpunkt nicht so wichtig. Ob reine Naivität oder eher mein ungebrochener Optimismus schuld daran waren, weiß ich nicht. Ich nahm ihn einfach nicht ernst und dachte mir, dass es doch irgendwie laufen würde, ohne, dass man so ein großes Ding daraus macht! Meine Eltern haben es doch auch geschafft – sogar mit 2 Kindern in einem fremden Land. Sie waren fantastische Eltern und führten gleichzeitig eine harmonische Ehe. Dann schaffen wir das auch. Dachte ich immer wieder. Was kann uns denn schon nach 9 Jahren Beziehung passieren?

Eltern werden, Paar bleiben

9 Jahre, in denen aus einer Jugendliebe eine Ehe wurde. Jahre, in denen wir viele Höhen und Tiefen überwunden, neue Wege eingeschlagen, in eine fremde Stadt gezogen, viele gemeinsame Entscheidungen getroffen und unser absolutes Wunschbaby bekommen haben. Unsere Beziehung schien gefestigt wie nie und ich war mir zu 100 Prozent sicher, dass uns gar nichts trennen könnte.

Die Wahrheit ist, dass nichts einfach so läuft, wenn man sich keine Mühe gibt. Wenn ein Liebespaar plötzlich Eltern wird, dann ändert sich alles! So klischeehaft das auch klingt, so wahr ist es doch. Die hart erarbeiteten Kompromisse, die man als Paar geschlossen hat, die eingespielten Rituale – all das scheint ins Wanken zu geraten, wenn man plötzlich Mutter und Vater wird und sich voll und ganz auf das eigene Kind konzentriert.

Baby da, Beziehung kaputt?

Unser Kind ist unser Lebensmittelpunkt und unser größtes Glück. Nichts kann die Liebe zu meinem Sohn toppen und er ist und bleibt die Nummer 1 in meinem Leben und im Leben meines Mannes. Dennoch gestaltete sich die Anfangszeit als Eltern für uns als Paar etwas holprig. Es war schwer. Schwerer als gedacht und wir hatten plötzlich Konflikte, die an früheren Streitpunkten aneckten und verschärfter zur Tage traten. Hatte ich mir das alles nicht leichter vorgestellt? Hätten wir uns vorher nicht besser auf die Situation einstellen können? Warum läuft es bei den anderen besser als bei uns? Fragen, die in meinem Kopf rumkreisten und mich oft traurig machten. Aber dann plagten mich auch Schuldgefühle. Wie kann ich traurig sein, wenn ich mein größtes Glück von Gott geschenkt bekommen habe? Denn trotz der Umstellung und all dem Neuen war ich seit der Geburt von Liam die glücklichste und stolzeste Mama auf Erden. Trotzdem spürte ich, dass sich etwas verändert hatte. Und dieses Etwas betraf die Beziehung zwischen meinem Mann und mir.

Beziehung zerbricht nach der Geburt

Ganz nach dem Motto Beziehungskiller Baby – hört und liest man zwar hin und wieder, dass viele Beziehungen nach der Geburt zerbrechen, aber das waren alles undenkbare Szenarien für mich. Fakt ist, dass man gar keine Ahnung davon hat, was auf einen zukommt, wenn aus zwei plötzlich drei werden. Wenn sich die Werte verschieben, Ansichten und Prinzipen verändern und wenn man dank Schlaflosigkeit keine Kraft und Energie hat, etwas lang und breit auszudiskutieren.

In die Mutterrolle finden

Ich wollte immer eine gute Mutter sein – die beste für Liam und alles andere war zweitrangig. Ich spürte, dass ich in meine Rolle als Mama reinwachsen musste. Und das brauchte Zeit, um überhaupt bereit zu sein, mir einzugestehen, dass ich nicht nur Mama, sondern auch (Ehe)Frau bin. Ähnlich erging es auch meinem Mann.

Zeit zu zweit nehmen

Wir fingen an, unsere Situation ernst und uns bewusst Zeit als Paar zu nehmen. Was, an dieser Stelle gesagt, nicht so leicht ist, wenn beide arbeiten und wenn keine familiäre Unterstützung besteht, da unser Eltern in einem anderen Bundesland leben. Das erste Jahr war das härteste.

Eheprobleme lösen

Außerdem sprach ich viel mit anderen Mamas und merkte, dass es denen auch nicht einfacher fiel, die Balance zu halten. Ich sah plötzlich, dass wir nicht alleine mit unseren anfänglichen (Ehe)Problemen waren und dass sie sehr ähnliche Streitpunkte hatten wie wir. Eine Familie zu gründen, ist nun einmal schwer. Erst im Austausch mit meinen Freundinnen und anderen Müttern merkte ich, dass wir Mütter und Väter uns einfach nicht trauen, darüber zu reden, dass nicht immer alles rosarot ist – vielleicht weil man Angst hat, verurteilt zu werden, dass man grundlos jammere, dass es normal sei und dass sich das schon von alleine reguliere.

Eltern werden, Liebespaar bleiben

Viele Sorgen und Ängste nahmen uns regelrecht die Kraft, um uns als Ehepaar wahrzunehmen. Doch je älter Liam wurde, desto gelassener wurden wir. Sein Schlafverhalten regulierte sich nach und nach und so blieb automatisch etwas Luft, uns abends bewusst Zeit zu zweit zu nehmen, rumzualbern und den alltäglichen Stress mal beiseite zu schieben, um einfach mal Mann und Frau sein.

Wie sind eure Erfahrungen? Was macht ihr, damit die Beziehung zu eurem Partner nicht am Alltagsstress leidet?

Hier könnt ihr alle Beiträge zu unserer letzten Runde von Katharina, Pazi und Christina nachlesen.

mamimitwort

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12 Comments

  • Reply
    Lena
    13.08.2017 at 12:24

    Ich denke, es liegt an der Einstellung. Selbstverständlich will man seinem Kind eine gute Mutter, bzw gemeinsam gute Eltern sein. Nichts desto trotz gäbe es dieses Kind ohne die Beziehung doch gar nicht. Demnach steht für mich an aller erster Stelle meine Beziehung und mein Partner. Dass es ihm, dass es mir, dass es uns gut geht, ist mein tägliches Ziel.
    Das daraus entstandene Kind steht dabei nicht an erster Stelle. Es ist ein Teil des ganzen. Wer anfängt „Rangfolgen“ zu erstellen, erzeugt automatisch auch ein Missverhältnis. Und dieses auszugleichen ist mit Sicherheit sehr anstrengend.

  • Reply
    Sabi
    13.04.2017 at 16:10

    Das ist ein echt schöner Blog und es macht Spaß ihn zu lesen 🙂
    Das kleine Problemchen beim Eltern werden, welches wir in der Schwangerschaft nicht für möglich gehalten hätten, hast du echt ehrlich und zutreffend zusammengefasst. Ich kann jedes Wort nachvollziehen und habe die beschriebenen Situationen auch mal durchlebt. Schön dass ihr wieder zueinander gefunden habt 🙂
    Liebe Grüße
    Sabrina

  • Reply
    #MamiMitWort: Eltern werden und Paar bleiben - lottiundemil.de
    29.03.2017 at 20:26

    […] wenn Ihr mögt, dann huscht doch mal zu Ari rüber, die hat letzte Woche nämlich Ihren Beitrag zu dem Thema veröffentlicht und in den […]

  • Reply
    Melina
    28.03.2017 at 15:32

    Meine liebe Ari, ich hatte den Artikel bereits die Tage gelesen und er ist sooo gut. Das ist ein super wichtiges Thema, dem Andi und ich uns vielleicht auch bald widmen müssen, da Kinder bei uns auch schon geplant sind :-). Das Problem finde ich schon halb behoben, wenn man es anspricht!
    Allerliebst, Melina
    http://www.melinaalt.de

  • Reply
    Wochenrückblick: Liam's Geburtstag, Meine Kindheit und das liebste Outfit
    27.03.2017 at 23:34

    […] eine Ehe ohne Arbeit nicht funktioniert – das alles habe ich in diesem Artikel aus unserer #MamiMitWort-Runde […]

  • Reply
    Sandra
    25.03.2017 at 15:01

    Liebe Ari,

    das war bei uns genauso und bei anderen auch. Leider wird so offen nicht darüber gesprochen. Oft konzentriert sich die Mutter auf das Baby und der Mann widmet sich mehr der Arbeit. Mein Mann konnte so richtig mit einem Baby nichts anfangen. Sls sie älter wurde, war das ganz anders und is ein ein toller Papi. Zeit zu Zweit ist soo wichtig, auch wir haben das lange nicht verstanden.
    Danke für diesen tollen Beitrag ! Er wird vielen helfen.

    Liebe Grüße Sandra

    http://www.sandra-levin.com

  • Reply
    Emma
    24.03.2017 at 21:23

    Wow, ein ganz toller Beitrag 😀 Eine perfekte Ehe gibt es leider nicht aber
    das ist auch gut so. Man lernt so vielen voneinander

  • Reply
    Elisa Zunder
    22.03.2017 at 10:42

    Liebe Ari,

    das ist wirklich ein unglaublicher guter Artikel. Mein Freund und ich haben zwar noch keine Kinder und es sind bisher auch noch keine in Planung. Jedoch bekomme ich deine Schilderungen im Bekanntenkreis duetlich mit. Ich denke eben, dass eine Beziehung immr Arbeit und Mühe erfordert…wenn aus 2 dann auch noch 3 werden ändert sich dies natürlich noch einmal ganz stark.
    Schön, dass du uns an deinen Erfahrungen teilhaben lässt.

    Liebst, Elisa von http://www.elisazunder.de

  • Reply
    Tsovi
    22.03.2017 at 8:46

    Du hast so recht es gibt keine perfekte Ehe. Das würde nicht gehen wenn zwei unterschiedliche Persönlichkeiten aufeinander treffen. Was für mich als sturer Widder schwer war ist Kompromisse eingehen. Mein Mann ist Steinbock und stell dir vor was bei uns los ist 😂“ Erku posavor“ .

  • Reply
    Kristina Dinges
    22.03.2017 at 8:44

    Was für ein interessanter. Ich bin gespannt wie das bei uns wird, wenn der kleine Krümel erst einmal da ist. Leicht wird es sicherlich nicht, aber ich wüsste auch nicht wie man sich darauf vorbereiten könnte…

    Liebe Grüße Kristina von KDsecret

  • Reply
    Joanna
    22.03.2017 at 8:31

    Hey Ari! Ich habe einen ähnlichen Post geschrieben. Ich finde, dass du sehr gut und ehrlich auf dieses Thema eingehst. Es betrifft meiner Meinung nach alle frisch gebackenen Eltern und sollte offener besprochen werden. Danke dir!

  • Reply
    Tanja
    22.03.2017 at 7:57

    Wow Ari danke für den Ehrlichkeit
    Es ging uns am Anfang auch ähnlich. Heute hat sich das normalisiert. Aber ich finde es schlimm, wenn andere so tun als wäre bei denen immer alles super easy und perfekt.
    Deswegen liebe ich deine Art wie du schreibst.

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