Babykolumne

#MamiMitWort: Die sinnlose Reue einer Mutter #regrettingmotherhood

Die Debatte um die Thematik Regretting Motherhood wurde hier in Deutschland nicht zuletzt durch folgende Aussage angestoßen: „Ich liebe meine Tochter über alles. Aber ich bereue es, Mutter geworden zu sein. Denn vorher war mein Leben schöner“, so Sarah Fischer, Autorin des Buches „Die Mutterglück-Lüge“. Die 43-Jährige inszeniert sich mit diesem Tabubruch in der deutschen Medienlandschaft als mutige Mutter, die endlich einmal negative Gefühl zulässt und springt gekonnt und ganz uneigennützig auf den hippen „Regretting-Motherhood-Zug“ auf. Ich sage: „Chapeau, Frau Fischer! Dank eines reißerischen Buchtitels haben Sie es sogar zu Lanz geschafft.“ Doch fangen wir mal von vorne an. Was hat es mit dem #regrettingmotherhod auf sich? Kann eine Mutter behaupten, dass sie ihr Kind liebt und dennoch öffentlich machen, wie sehr sie es bereut, Mutter zu sein? Ist das Ganze nicht ein großer Widerspruch in sich?

Regretting Motherhood – Seit der Geburt alles verloren

Alles begann mit einer Studie mit dem Titel „Regretting motherhood“. Autorin Orna Donath hatte dafür in den Jahren 2008 bis 2011 insgesamt 23 israelische Mütter aus verschiedenen sozialen Schichten im Alter von Mitte 20 bis Mitte 70 befragt. Das Ergebnis dieser nichtrepräsentativen Studie (es sind nur 23 Frauen, nur 23(!) gewesen) war wie folgt: Alle befragten Frauen gaben zu, ihre Mutterschaft zu bereuen! Eine von ihnen schilderte das Mutterdasein sogar als schlimmsten Albtraum ihres Lebens. Und könnten diese Frauen die Zeit zurückdrehen, würden sie nicht noch einmal Mutter werden. Frau Fischer würde wenn dann lieber Vater als Mutter sein. Denn für ihren Mann hätte sich seit der Geburt des gemeinsamen Kindes nichts geändert, sie hingegen hätte ALLES verloren, so die Autorin.

Reue, Schuldzuweisung und Fehler

Die Reisejournalistin Sarah Fischer hatte ein tolles Leben. Sie bereiste berufsbedingt zahlreiche exotische Länder und konnte mit 39 Jahren als sie schwanger wurde auf eine spannende Karriere zurückblicken. Doch sie wollte auch Mutter werden und hatte sich das Ganze wohl etwas anders vorgestellt. Nein, diesen Umstand will ich ihr nicht verübeln. Niemand weiß vorher, was auf einen zukommt, wenn man ein Kind erwartet.
Aber Reue ist ein extremes Gefühl. Reue indiziert eine gewissen Schuldzuweisung und eine Bekenntnis, einen Fehler begangen zu haben. War also im Falle von Frau Fischer die Geburt ihrer Tochter ein Fehler? Bereut sie es, das Kind auf die Welt gebracht zu haben? In keinem Interview findet die Autorin eine adäquate Antwort auf die Frage, wann der Prozess des Bereuens denn bei ihr aufgetreten sei. Vielmehr weicht sie aus. Sie erzählt aus der Zeit ihrer Schwangerschaft, in der wildfremde Menschen ihren Bauch streichelten und ihr gutgemeinte Ratschläge gaben. Sie beklagt sich über ungleiche geschlechtsspezifische Rollenverteilungen.

Die traditionelle Mutterrolle

Regretting Motherhood bedeutet die Mutterschaft bereuen. Bei Sarah Fischer geht um die Mutterrolle, an der Frau Fischer etwas auszusetzen hat. Aber sind wir Frauen in Deutschland wirklich dazu gezwungen, diese traditionelle Mutterrolle zu übernehmen? Wohl kaum! Denn alleine in meinem Freundeskreis kenne ich unzählige Beispiele, die das Gegenteil beweisen. So geht zum Beispiel die Frau Vollzeit arbeiten, während der Mann auf die Kinder aufpasst und das Haus hütet. Oder die Frau geht Teilzeit arbeiten, während das Kind vormittags in der Krippe ist und am Wochenende arbeitet der Mann. Oder aber beide gehen Vollzeit arbeiten und auch dieses Modell gelingt, zwar unter erschwerten Bedingungen, aber es gelingt. Ich sage daher, dass die Mutterschaft eben kein Allgemeingut ist, worüber andere Menschen bestimmen können. Es gibt keine klare Definition von Mutter- als auch Vaterschaft. Vielmehr geht es um familiäre Konzepte, die intern in mehreren tausenden deutschen Haushalten ausgehandelt und praktiziert werden. Den Mythos der festen Rollenzuweisungen kaufe ich Ihnen daher nicht ab, liebe Frau Fischer.

Der Identitätsverlust, den Sie beklagen, ist eine persönliche Einstellung, die mit gesellschaftlichen Erwartungen wenig zu tun hat. Hier werden uralte Debatten über genderspezifische Rollenbilder neu aufgelegt. Warum sonst vergleichen Sie sich ständig mit ihrem Mann und ziehen das Resümee, dass es diesen so viel besser getroffen hätte. Ich ermutige daher alle Frauen selbstbewusst in Bezug auf ihr eigenes Mutterbild zu sein und keine Konflikte mit dem Partner zu scheuen, wenn es um die „gerechte“ Zuweisung von beruflichen und persönlichen Ambitionen geht.

Auf den Schultern ihres Kindes

Anstatt das Gespräch mit ihrem Partner zu suchen und ein geeignetes Modell für ihre berufliche und familiäre Situation auszuarbeiten, versucht die Autorin ihr Problem, auf den Schultern ihres Kindes auszutragen. Was uns Sarah Fischer also auftischen möchte, ist eine saftige Provokation, um ins Gespräch zu kommen. Ich als Mutter frage mich, welchen Preis sie dafür zahlt, öffentlich ihre Tochter zu verleugnen? Denn ist es nicht ein Widerspruch, die Mutterschaft zu bereuen und doch lieber Vater sein zu wollen? Für mich macht dieses öffentliche Bekenntnis der Reue daher keinen Sinn.

Mich interessiert sehr, was ihr zu diesem recht polarisierenden Thema Regretting Motherhood sagt?

Ich bin übrigens sehr glücklich, euch heute diese tollen Mamas und unser gemeinsames Projekt #MamiMitWort vorzustellen. Ab sofort wird an jedem Mitwwoch eine von uns zu einem von uns gemeinsam gewählten Thema zu Wort kommen. Nächste Woche geht es bei der lieben Katharina von www.cruchedevinaigre.de, dann mit Pazi von www.maison-pazi.com und danach mit Christina von www.lottiundemil.de weiter. Ich freue mich auf all eure Beiträge, Mädels!

mamimitwort

Beitragsbild oben: Dennys Schick

 

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21 Comments

  • Reply
    Sylvia S.
    14.06.2017 at 14:33

    Danke für diesen tollen Beitrag! Wirklich.. Danke!

    Ich bin noch keine Mutter und ich habe auch nicht geplant es ist in den nächsten 5 Jahren zu werden.
    Doch der Kinderwunsch ist da und wenn ich mir so die Mamis in meiner Umgebung anhöre, sie sich 24/7 beschweren, wie das ganze Leben nun doch vorbei ist und dieses und jenes nicht mehr geht, bin ich einfach nur entsetzt. Entsetzt, weil ich es über Monate hinweg geglaubt habe. Das Buch von frau Fischer hat mich zusätzlich nochmal darin bestätigt. Und das sorgte in mir für blanke Panik und Zukunftsängste.

    Mir ist nie so wirklich in den Sinn gekommen, die Aussagen der Mütter zu hinterfragen. Für mich war bzw. ist klar, dass ein Kind das ganze Leben nochmal verändert. Aber meiner Meinung nach sollte dies kein Freifahrtschein sein, jegliche Resignationen und Entscheidungen auf das Kind abzuwälzen und sich in der Opferhaltung zu suhlen.

    Ich kann es als Sportlerin und Reisende nicht mehr hören.. von einigen Müttern: „jaja warte mal ab bis Du Kinder hast. Dann geht das alles nicht mehr.“ oder „ich würde ja gerne zum Sport aber ich hab Kinder.“

  • Reply
    Die Rolle der Mutter – Eine Göttin in Gold wie Beyoncé?
    19.02.2017 at 12:25

    […] einer Zeit, in der das Muttersein ungeachtet der Auswirkungen auf die eigenen Kinder öffentlich bereut und in Frage gestellt wird, einer Zeit, in der das Kinderkriegen ein reales Armutsrisiko geworden […]

  • Reply
    Mein Jahresrückblick: Working Mom | Blogangebot | Jugendliebe
    10.01.2017 at 19:29

    […] und 4 verschiedene Ansichten – im Jahr 2016 besprachen wir unter anderem Kontroversen wie „Regretting Motherhood“ oder „After Baby Body“ und bekamen viel Feedback von euch Lesern. Danke für eure ehrlichen […]

  • Reply
    Katja (Mamatized)
    16.06.2016 at 14:59

    Liebe Ari! Das ist wirklich ein sehr sehr starker Beitrag, den du hier verfasst hast! Ich finde es super, wie sehr du zwischen den beiden Büchern unterscheidest und dazu klar Stellung beziehst! Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass in manchen Kulturkreisen der Druck so groß ist, dass man in die Mutterrolle gedrängt wird. Bei Frau Fischer klingt es eher so, wie die Karrierefrau, die Angst hatte es später zu bereuen wenn sie keine Kinder hat, und dann lieber doch schnell eins in die Welt gesetzt hat. Da hätte sie doch wohl lieber ihre Karriere durchziehen sollen, mein paar Jahre später zum Thema #regrettingnomotherhood etwas zu schreiben!
    Liebste Grüße
    Katja

  • Reply
    Magdalena
    27.05.2016 at 8:14

    Hallo, ich denke ich werde meine Antwort auch unter die anderen posts schreiben, denn ich finde sie alle ziemlich eindimensional. Zunächst ist es für ein Kind natürlich später zunächst schlimm zu lesen dass die mutter es bereut Mutter geworden zu sein. Aber wie noch viel schlimmere Sachen in einer Familie wird man auch dies auf- und verarbeiten können, wenn die Familie damit offen und reflektiert umgeht. Und ich denke eine Mutter die sich zu dem drastischen Schritt entschließt diese, ihre Gedanken öffentlich zu machen wird dementsprechend reflektiert sein. Wer weiß zudem ob sie wirklich so heißt und auch wirklich selber öffentlich auftritt?!
    Nun zu dem inhaltlichen. Ich finde es schwierig einen kritischen Artikel zuschreiben mit der Quintessenz dass man es nicht versteht. Das ist für dich/euch persönlich toll, beneidenswert und ich freue mich für euch/dich. Leider ist es nicht immer so einfach. Und es gibt noch viel mehr ebenen und facetten als nur die klassische Rollenverteilung und was dazu gehört. Zu dem möglichen Verlust der eigenen Identität gehört doch noch viel mehr. Ich kann nur von mir schreiben. Ich habe mir mein Kind sehr gewünscht, liebe es abgöttisch und tue alles für sie. Und trotzdem gibt es Abende an denen ich wach liege und mich frage, ob es für mich und mein Leben die richtige Entscheidung wäre, und dass ich vielleicht mit meinem jetzigen wissen eine andere getroffen hätte. Eben WEIL ich sie so sehr liebe. Ich habe so wahnsinnige Angst nicht gut genug aufzupassen, dass ihr was passieren könnte, dass ich ihr nicht 100% gerecht werden könnte, dass es ihr an etwas fehlen könnte. Vor allem die Sorge ist eine Belastung, und sie wird niemals aufhören. Dazu kommt für mich dass es mir einerseits wahnsinnig fehlt zeit für mich, geschweige denn für meinen Partner zu haben. Aber dabei steht mir meine wahnsinnige sorge im weg, sodass ich sie nicht abgeben kann. Und in diesem Dilemma gehe ich als Person, Identität halt unter. Und wenn ich mir vorstelle dass ich NIE wieder so Selbstbestimmt und „verantwortungsfrei“ Leben kann bedrückt mich das etwas. Ich hoffe einfach dass es sich irgendwann einspielt und einfacher wird. Und genau daran hab ich vorher nie gedacht. Es ist nicht der schlafmangel (ich habe seit 18 Monaten nie mehr als 3 Stunden am Stück geschlafen), meine berufliche oder finanzielle Situation oder sonst irgendwelche äußerlichen Faktoren von denen ihr schreibt, damit kann und „muss“ man irgendwie umgehen. Es ist das, was die Geburt und das Leben mit Kind mit der eigenen Identität macht. Und darum ist es auch einfach falsch dass ein bereuen etwas mit der liebe zum Kind zu tun hat bzw diese irgendwie schmälert. Im Gegenteil. Und man sich selber oft genug für diese Gedanken in Frage stellt. Daher würde ich mir wünschen dass mit diesem Thema sensibler und differenzierter umgegangen wird. Und nicht immer diese „falsch“ und „unverständlich“ Keule geschwungen wird. Es ist einfach eine facette von Mutterliebe. Eine schwierige.

    Sorry für diesen langen Text.
    Alles gute, Magdalena

  • Reply
    Julia
    11.05.2016 at 13:57

    Liebe Ari,

    ich habe es bereits unter Katharinas Artikel geschrieben udntue dies auch hier nochmal.
    Zuallererst: TOP-Artikel! Super geschrieben, gut recherchiert.
    Jetzt meine (kurzen) Gedanken dazu:
    Ich habe ein bisschen das Gefühl, dass dieses Thema plötzlich „Mode“ geworden ist, plötzlich ist es „in“, Tabuthemen und damit eine Lanze zu brechen, nur habe ich den Eindruck, dass es bei diesem „Mutterschaft-bereuen-Ding“ nach hinten losgegangen ist. Ich sehe es genau wie du, viele Mamas sind überfordert, doch bevor sie das zugeben, stellen sie ihr gesamtes Dasein als Mutter in frage. Totaler Quatsch. Kinder sind das Tollste, was einem passieren kann, jeder, der etwas anderes erlebt, sollte sich Hilfe holen (und das meine ich nicht abwertend!)

    Die Geburt eines Kindes stellt einen/frau natürlich vor viele Entscheidungen, aber es gibt IMMER einen Weg, seine „Identität“ dabei zu wahren – ein Kind ist meiner Meinung nach kein Wegbereiter für einen Identitätsverlust, sondern vielmehr muss man vornherein mit seinem Partner sehr genau besprechen, wie die „Rollenverteilung“ dann aussehen soll, sobald das Kind da ist.

    Liebe Grüße
    Juli

    PS: Bin gespannt auf die beiden anderen Artikel!

  • Reply
    #MamiMitWort: machen Kinder unglücklich? #regrettingmotherhood | Cruchedevinaigre
    11.05.2016 at 12:11

    […] Woche hat die toughe Ari von Moderiamia.de schon ein tollen Artikel zu diesem Thema geschrieben und ich freue mich jetzt schon auf Pazi von […]

  • Reply
    thedaydreamings
    7.05.2016 at 22:47

    Tolle Bilder!

    thedaydreamings.blogspot.com

  • Reply
    Kamila
    5.05.2016 at 19:36

    Endlich bin ich dazu gekommen, deinen Artikel zu lesen. Ich bin schockiert und fassungslos, dass es Frauen gibt, die es bereuen Mutter geworden zu sein. Es ist nicht normal dieses Gefühl zu verspüren. Ich hoffe sie bereut es jetzt ihre Tochter öffentlich gedemütigt zu haben.

    • Reply
      Moderiamia
      8.05.2016 at 8:15

      Danke für deine Kommentar, liebe Kamila. Freue mich, dass du den Artikel gelesen hast. Ich finde es auch wie du grausam, wenn man als Mutter seinen eigenen Egoismus – darüber öffentlich zu reden – über das Wohl des Kindes stellt.

  • Reply
    Ulrike
    4.05.2016 at 14:30

    Eine Frau kann doch auch mehrere Rollen einnehmen. Wenn man einmal Mutter ist, heißt das doch nicht, dass alles andere verloren geht. Ich bin superglücklich, Mutter von zwei tollen Kindern zu sein, aber genauso finde ich Erfüllung als Ehefrau, in meinem Beruf und Hobby. Und bei allen Gefühlen, die man hat, sollte man bedenken, wie sich Betroffene fühlen, wenn und wie man sie äußert.

    • Reply
      Moderiamia
      8.05.2016 at 8:19

      Danke für deine tollen Kommentar, Ulrike! Ja, eben. Ich finde es sehr traurig, wenn man als Frau seine Identität gleich verliert, sobald man Mutter wird. Schade auch, wenn man das nicht so wie du als Bereicherung einer ganzheitlichen Persönlichkeit sieht. Und wenn man eben das Glücksgefühl nicht hat, dann ist es auch in Ordnung. Aber dann sollte trotzdem das Wohl des Kindes an erster Stelle stehen und nicht der Drang, mit einem provozierenden Thema an die Öffentlichkeit zu müssen.

  • Reply
    Tanja
    4.05.2016 at 14:23

    Wunderbar geschrieben ! Eine Frau die es versteht mit dem Thema umzugehen und vor allem eine Mutter die arbeitet sich um das Kind kümmert und trotzdem keinen Identitätsverlust erlitten hat. Jeder ist seines Glückes eigener Schmied.

  • Reply
    Lisa
    4.05.2016 at 14:21

    toller Artikel spiegelt meine Sicht der Dinge ganz genau wieder. Was den Kindern damit angetan wird ist furchtbar und die Mütter die so denken sind einfach nur egoistisch und verstecken sich hinter irgendwelchen ach so schrecklichem genderverständnis und werden in ihre schlimme Mutterrole gedrängt. EInfach nur peinlich sowas sein eigenen Kind so bloßzustellen.

    • Reply
      Moderiamia
      8.05.2016 at 8:20

      Egoistisch trifft es wohl am besten …

  • Reply
    Saskia
    4.05.2016 at 11:59

    Ein spannendes Thema. Ich stecke da ja nicht so drin…

  • Reply
    Kerstin
    4.05.2016 at 11:55

    Super schöner Post! Ich bin zwar keine Mutter und hab das Ganze auch nicht so wirklich mitbekommen, finde das Thema aber trotzdem ganz schön Interessant.
    Einerseits finde ich es gut das man sich heutzutage trauen kann sowas zu zu geben ohne verurteilt zu werden – im Leben ist nichts perfekt, auch das Mutter-sein nicht. Aber andererseits finde ich es schrecklich für das Kind das diese Mutter damit so an die Öffentlichkeit geht. Wie muss es sich bitte anfühlen wenn die eigene Mutter im TV darüber spricht das sie es bereut ein Kind bekommen zu haben. WOW!
    Ich persönlich finde Mutter-werden ist ein riesengroßer Schritt der viel Mut erfordert. Bei mir zum Beispiel, und das muss ich offen gestehen, wäre ein Kind im Moment das schlimmste das mir passieren kann. Immerhin hab ich weder Job noch abgeschlossene Ausbildung und man will seinem Kind ja auch was bieten oder? Wenn man darüber gut nachdenkt und weiß worauf man sich einlässt dann denke ich Mutter sein kann unheimlich toll sein. Und mal im Ernst, man muss sich selbst ja nicht nur über das Kind definieren nur weil man eins hat? 😀

    Ich hoffe meine Schwafelei ist irgendwie nachvollziehbar^^

    Love, Kerstin
    http://www.missgetaway.com/

    • Reply
      Moderiamia
      8.05.2016 at 8:27

      Liebe Kerstin, vielen lieben Dank für diesen wundervollen Kommentar! Und ich sehe deinen Text überhaupt nicht als „Schwafelei“, sondern als tiefgründigen Gedanken an <3
      Jeder darf und soll zugeben, dass nicht alles perfekt läuft. Ich kann jede Frau verstehen, die mit Kind, Beruf und Job auch einfach mal fertig mit den Nerven ist. Darüber zu reden finde ich sehr wichtig. Nur fände ich es für das Kindeswohl angebrachter, das Thema mit dem Partner, mit der Freundin oder in der Familie auszudiskutieren, statt das eigene Kind ungewollt in die Öffentlichkeit zu zerren und damit für einen möglicherweise schweren Start ins Leben zu sorgen. Denkt diese Mutter denn gar nicht darüber nach, wie ihr Kind später auf dem Schulhof mit diesem Thema - als Kind einer Frau, die ihre Mutterschaft bereut - konfrontiert wird? Das tut mir einfach im Herzen weh und da bin ich einfach ein Sensibelchen.

      Du bist sehr reflektiert und ich finde es toll, wie du mit dem Gedanken, später einmal selbst Mutter zu werden, umgehst. Du machst es ganz richtig und ich wünsche dir alles Gute.

  • Reply
    Alex
    4.05.2016 at 10:43

    Es ist toll, dass du keinen Druck gespürt hast Mutter zu werden. Und es ist genauso toll, dass du einige Beispiel in deinem Umfeld kennst, die diesen Druck ebenso nicht spüren (oder es zumindest nicht äußern). Ja, bei der Studie geht es nur um 23 Frauen. Das wird von der Autorin aber auch aufgegriffen. Sie sagt ganz klar, dass es ihr nicht um eine „repräsentative“ Umfrage geht. Die Aussage der Studie soll ja auch gar nicht sein, dass alle Mütter es bereuen, Kinder bekommen zu haben. Die Studie sagt aus: Es gibt Frauen, die es bereuen. Und 23 Frauen zu finden, die sich öffentlich dazu äußern, ihre Mutterschaft zu bereuen, ist sogar relativ viel. (Zumal die Studie aus Israel stammt, in dem eine Familie mit vielen Kindern sogar noch eine größere Bedeutung hat als in Deutschland.) Es zeigte sich auch, dass sich aufgrund der Studie immmer mehr Frauen zu Wort meldeten. Es sind also nicht „nur“ 23 Frauen, die es betrifft.
    Auch wenn du es nicht verstehen kannst – was ja vollkommen legitim ist – finde ich es einfach nicht in Ordnung, diesen Frauen ihre Erfahrungen abzusprechen. Ihre Erfahrungen sind real. Und es gibt zahlreiche Frauen, die unter dem sozialen Druck leiden, Mütter werden zu müssen. Frauen, die mit Anfang zwanzig schon wissen, dass sie keine Kinder haben wollen und sich immer wieder rechtfertigen müssen. Die sich immer wieder anhören müssen: „Naja, das kommt schon noch, wenn du älter bist.“ oder „Aber das ist doch unnatürlich, dass du keine willst.“ – Und das sind wohl noch die harmlosesten Sprüche, die sie zu hören bekommen.
    Ich denke das Ziel dieser Diskussion darum ist es, dass wir gesellschaftlich davon wegkommen, dass Frauen sich verpflichtet fühlen, Kinder bekommen zu müssen. Und wie gesagt, das ist der Fall, auch wenn du es nicht erlebst. Dafür musst du nur einmal google bedienen und dir Erfahrungsberichte durchlesen.
    Die Beispiele, die du nennst, zeigen ja auch nur Paare, bei denen die Frauen trotz Kinder im Arbeitsleben stehen. Aber keine Frauen, die sich bewusst gegen Kinder entschieden haben.

    Ich kenne den Fall von Sarah Fischer nicht, aber viele Frauen aus der Studie sagen, dass sie zwar ihre Mutterschaft bereuen, aber nicht dass es ihre Kinder gibt. Diese Frauen lieben ihre Kinder und sind froh, dass es sie gibt. Sie wünschten halt nur, dass es nicht ihre Kinder wären, sie nicht diese Verantwortung tragen müssten, nicht in ein Leben als Mutter gezwängt worden wären. Das ist sehr verzwickt. Allein für mich zum Lesen. Wie verwirrend muss diese Situation erst für die Frauen sein? Und bestimmt ist es nicht leicht für die Kinder das zu hören. (Wobei auch nicht alle Frauen mit ihren Kindern darüber reden.) Aber diese Gefühle ihrer Mütter sind nunmal da. An Gefühlen lässt sich doch kaum was ändern. Deswegen sollte es meiner Meinung nach das Ziel sein, dass Frauen nur Kinder bekommen, wenn sie es wollen. Dann gibt es auch Kinder, die sich damit auseinandersetzen müssen, dass ihre Mütter sich eigentlich ein anderes Leben vorgestellt hätten.
    Dein Beitrag geht genau in die Diskussion hinein, die es Frauen nicht möglich macht, über ihre Gefühle und Gedanken zur Mutterschaft zu reden. Es ist immer noch ein Tabu. Und ich habe zahlreiche Frauen getroffen, für die es nahezu jeden Tag ein Kampf ist, sich rechtfertigen zu müssen, weil sie keine Kinder bekommen wollen, und weil sie dazu stehen. Das sind allesamt sehr starke Frauen, denn das braucht es dafür. So stark können (oder wollen und vor allem müssen!) aber nicht alle sein. Ich finde es schlimm und es macht mich unfassbar wütend, dass die Diskussion GEGEN diese Frauen geht. Sie „dürfen“ nicht so empfinden. Hören wir doch endlich einmal damit auf, die Schuld immer den Frauen zu geben. Und gestehen wir ein, dass auf jeder einzelnen von uns ein großer Druck liegt – egal, in welcher Form. Kämpfen wir nicht gegeneinander, sondern gegen den Druck, die die Gesellschaft aufbaut in eine vermeintliche „Normalität“ zu passen.

    • Reply
      Moderiamia
      8.05.2016 at 8:42

      Liebe Alex, vielen Dank für deine Kritik. Dennoch denke ich, dass du meinen Artikel nicht richtig verstanden hast. Über den sozialen Druck, unbedingt ein Kind bekommen zu müssen, geht es doch hier gar nicht! In keiner Stelle idealisiere ich den Gedanken, dass jede Frau unabdingbar ein Kind gebären soll. Vielmehr stehe ich zu der Entscheidung einer jeden Frau, ob sie sich ein Leben mit oder ohne Kind wünscht. Diese Mutter, auf die ich mich konkret beziehe, bereut es öffentlich Mutter geworden zu sein. Darum geht es mir. Immer wieder ermutige ich Frauen, über ihre Gefühle zu sprechen und sich nicht vom öffentlichen Druck, unter dem sie offensichtlich leiden, übermannen zu lassen. Dass nicht jede Frau Kinder bekommen möchte, finde ich vollkommen legitim. Eben deshalb sollten genderspezifische Rollenverteilungen nicht unser Leben derart beeinflussen, dass wir diese als Rechtfertigung ausnutzen, wenn wir eine Entscheidung treffen, hinter der wir nicht stehen. Wo ist da die selbstbewusste, autonome Frau, wenn sie sich von der Gesellschaft Kinder „aufzwängen“ lässt? Wie herrlich funktionieren homosexuelle Familienmodelle, ohne sich dem sozialen Druck von „Vater-Mutter-Kind-Konzept“ beugen zulassen. Dass es nicht immer so klappt, wie man sich das vorstellt, ist mir bewusst. Aber die Unzufriedenheit mit der eigenen Mutterrolle darf nicht das Wohl des Kindes gefährden. Der Identitätsverlust als Frau ist das Eine, die öffentliche Verleugnung seines eigenen Kindes das Andere. Wo bleibt die Verantwortung? Egal, ob wir Mutter sein wollen oder nicht, wenn wir ein unschuldiges Kind auf die Welt setzen, dann haben wir auch die Verantwortung über diesen Menschen.
      Und deine These: „Deswegen sollte es meiner Meinung nach das Ziel sein, dass Frauen nur Kinder bekommen, wenn sie es wollen. Dann gibt es auch Kinder, die sich damit auseinandersetzen müssen, dass ihre Mütter sich eigentlich ein anderes Leben vorgestellt hätten.“ Finde ich recht einfach gestrickt. Sarah Fischer wollte mit 39 Jahren ganz bewusst ein Kind bekommen. Dass sie nicht in die Glaskugel gucken kann, ist mir schon klar. Aber, wir müssen alle für unsere Entscheidungen einstehen. Egal, ob Mutter oder nicht. Sie hat sich für ein Kind entschieden und trägt die ganze Verantwortung für ihre Tochter.

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