Hochzeitskolumne

Hochzeitskolumne: Unser erster Hochzeitstag

Letzte Woche Samstag, am 05.12.2015 feierten wir zwischen Umzugskartons und Werkzeugkisten unseren ersten Hochzeitstag. Was zunächst so nicht geplant war, erscheint heute wie ein besonderes Zeichen zu sein. Denn der Umzug – direkt an dem Tag, an dem wir uns vor einem Jahr das Jawort gaben – symbolisiert irgendwie auch diese extreme Wandlung, die wir als Eheleute und Eltern an uns selbst beobachtet haben. Was für ein ereignisreiches Jahr!

Unser 1. Hochzeitstag

Nein, es war DAS ereignisreichste Jahr unseres Lebens. Unsere Beziehung änderte sich nicht nur durch die Ehe, sondern auch durch die Geburt unseres langersehnten Babys Liam. Dieses Jahr war geprägt voller Veränderungen. Wir gingen durch gute und schlechte Zeiten. Wir erlebten Freude, aber leider auch Trauer. Wir feierten Erfolge und mussten auch mal den einen oder anderen Rückschlag ertragen. Es war ein Jahr voller Emotionen, in dem wir uns beide anders kennenlernen mussten. Es gab familiäre Umstrukturierungen. Es gab Konflikte und Diskussionen. Nein, es ist nicht immer alles Friede, Freude, Eierkuchen gewesen. Wir haben uns – so wie viele andere junge Ehepartner – auch gestritten und wieder versöhnt. Aber, was noch wichtiger ist, alles passierte aus Liebe.

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Die Geburt

Und deswegen sind wir heute ganz andere Menschen als noch vor einem Jahr. Klar, jeder verändert sich. Dennoch habe ich das Gefühl, dass wir uns innerhalb dieses einen Jahres so sehr gewandelt haben, wie in keinem Jahr zuvor. Das bedeutet allerdings nichts Negatives. Wir sehen jetzt nur viele Dinge anders als zuvor. Die Geburt von Liam, bei der wir große Angst um ihn hatten, hat uns so richtig gezeigt, was wirklich wichtig im Leben ist. Diese existenzielle Erfahrung hat uns beide ein Stückchen erwachsener gemacht.

Glücklich bleiben

An unserem Hochzeitstag habe ich mir außerdem folgende Frage gestellt: Was habe ich ich aus diesem Jahr gelernt? Um glücklich zu sein, muss man manchmal auch ein Auge zudrücken. Ich sage nicht, dass man sich alles gefallen lassen soll, auf keinen Fall! Ich rede eher über Kleinigkeiten, die im Alltag zu Streitigkeiten führen, obwohl sie eigentlich objektiv betrachtet so unwichtig sind. Ist es so tragisch, dass er vergessen hat, den Müll runterzubringen? Oder, dass sein Handy wieder mal auf lautlos ist (z.B. aus beruflichen Gründen) und er dir nicht sofort auf deine WhatsApp-Nachricht antwortet? Wohl eher weniger. Gelassenheit zu lernen, das ist glaube ich für mich eine der schwierigsten Aufgaben. Auch aus meinem Freundeskreis weiß ich, dass jeder, ja wirklich jeder, etwas an sich hat, was einen unvollkommen macht. Sollen wir gleich alles aufgeben, wenn sonst doch alles stimmt?

Kulturschock

Wir beide kommen aus zwei komplett unterschiedlichen Kulturen: ich aus Armenien, mein Mann aus Deutschland. Hier klaffen schon einmal zwei völlig verschieden Welten zusammen. Hinzu kommt, dass unsere Familien komplett unterschiedlich sind und jeder anders erzogen wurde. Das allein bietet genug Zündstoff für eine Drama-Comedy-Show, aber jetzt mal im Ernst. Ich glaube, die größte Herausforderung einer Ehe ist, dass man versucht, eine gesunde Balance zu finden: ein Gleichgewicht zu schaffen, um mit den Vorstellungen und Prinzipien des Partners konform zu sein, ohne sich selbst aufzugeben. Der Grund warum wir beide – obwohl wir so extrem unterschiedlich sind – seit fast 10 Jahren ein Paar sind, ist, dass wir uns in den wichtigsten Lebensbereichen einig sind. Wir beide sind ganz große Familienmenschen, wir haben ähnliche Vorstellungen von unserer Zukunft, wir wollen liebevolle Eltern sein und wir nehmen uns selbst nicht sehr ernst. Und deswegen haben wir unseren ersten Hochzeitstag in unserer neuen Wohnung neben halb aufgestellten Möbeln und zig Kisten mit einer Flasche Sekt und einer Folge House of Cards gefeiert: So typisch für uns 🙂

In diesem Sinne, einen schönen 3. Advent und eine Frage:

Denkt ihr, dass die Ehe die Beziehung verändert oder ist das Ganze nur Papiersache und es bleibt alles so wie es ist?

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9 Comments

  • Reply
    Wie Eltern nach der Geburt ein Liebespaar bleiben
    22.03.2017 at 6:26

    […] Jahre, in denen aus einer Jugendliebe eine Ehe wurde. Jahre, in denen wir viele Höhen und Tiefen überwunden, neue Wege eingeschlagen, in eine fremde Stadt gezogen, viele gemeinsame Entscheidungen […]

  • Reply
    Personal: Meine Highlights 2015 | Moderiamia | Modeblog für Modemädchen & Mamas
    3.01.2016 at 16:24

    […] ergeben hat, wie wir uns verändert haben und welche Erfahrungen ich gemacht habe, könnt ihr gerne hier in der Hochzeitskolumne […]

  • Reply
    Silke
    17.12.2015 at 18:38

    Vor allem durch die Geburt muss das gesamte Leben umgestellt werden. Man folgt dem Rhythmus des Babys und man genießt auch das Glücksgefühl. Irgendwann später wird man auch noch mit den finanziellen Themen beschäftigt sein, z.B. wenn das Kind in den Kindergarten geschickt wird. Aber es ist einfach eine schöne Zeit, kleine Babys zu bekommen, wahrscheinlich das schönste, was man erleben kann.

  • Reply
    Saskia
    14.12.2015 at 17:52

    Sehr schön geschrieben. Ich finde auch, dass man mit Kleinigkeiten gelassen umgehen muss. Jeder hat seine Fehler und wenn der Fehler halt ist, dass er (ständig?) vergisst den Müll runter zu bringen, dann ist das so. Das sind für mich auch Sachen mit denen ich Leben kann. Es gibt eben wichtigeres, besonders glücklich sein. Das ist zumindest unser Konzept und das funktioniert schon mal 8 Jahre sehr, sehr gut.

    • Reply
      Moderiamia
      20.12.2015 at 19:16

      Glückwunsch zu 8 Jahren glücklicher Beziehung meine Liebe. Das ist eine lange Zeit und ich wünsche euch noch 80 weitere schöne gemeinsame Jahre 🙂

  • Reply
    Jacqueline
    14.12.2015 at 14:15

    Das hast Du super geschrieben!

    Ich bin jetzt 11 Jahre verheiratet und anfangs dachte ich auch, es wird sich mit der Hochzeit was verändern, bei uns war das aber nicht so, oder ich habe nichts bemerkt! ;o) Bei uns ist es auch nicht so einfach, mein Mann ist Schweizer und ich halbe halbe, halb Schweizerin und halb Armenierin!

    Aber wir konnten bis jetzt beide Kulturen immer gut vereinen, zumindest mein Mann und ich!

    Ich denke, wichtig in einer Ehe ist, viel zusammen über die Bedürfnisse zu sprechen oder auch über andere Sachen! Und sich nicht hängen lassen!

    Liebes, ich wünsche Dir eine wunderschöne Woche und gute Besserung Deinem kleinen Schatz!

    xoxo Jacqueline
    http://www.hokis1981.blogspot.com

    • Reply
      Moderiamia
      20.12.2015 at 19:18

      Oh ja, das hört sich bei dir auch nach einer temperamentvollen Mischung an: Schweiz/Armenisch super interessante Kombi. Ach, da müssen unsere Männer nun mal durch mit ihren armenischen Frauen, haha:-) Und auch euch wünsche ich noch viele weitere wundervolle Jahre als Ehepaar und Eltern meine Liebe:-*

  • Reply
    Ina
    13.12.2015 at 17:54

    Liebe Arevik,

    Sehr schön geschrieben. Und ich sehe es genauso, dass einen die tiefsten Vorstellungen vom Leben, Ansichten zur Erziehung und ein stets gemeinsames Ziel der Motor einer guten Ehe und Beziehung ist.
    Ich bin nun schon über 5 1/2 Jahre verheiratet und es hat sich nicht viel verändert. Die Liebe ist weiter gewachsen. Nur das man in kritischen Situationen viel schneller begreift dass es sich nicht lohnt aufzugeben, weil man es schon bis zu diesem Punkt geschafft hat. Und gerade mit Kind besinnt man sich nocheinmal mehr . ?

    • Reply
      Moderiamia
      20.12.2015 at 19:21

      Liebe Ina, erst einmal herzlichen Glückwunsch zu 5 1/2 Jahren glücklicher Ehe. Ich freue mich sehr für euch, dass ihr so zusammengewachsen seid und als Ehepaar so gut harmoniert. Ich wünsche eurer Familie alles alles Gute und eine wunderschöne Weihnachtszeit. Liebe Grüße aus Kiel

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