Babykolumne

Babykolumne: #Instamoms – Babyliebe oder Vermarktungstaktik?

Alles begann mit meinem ersten Schwangerschaftsoutfit, das ich auf Instagram postete: Wer meinen Blog schon eine Weile verfolgt, weiß, dass Outfitbilder ein fester Bestandteil von Moderiamia sind. Warum nicht also auch dann, wenn ich in „anderen Umständen“ bin. Ich wollte diese besondere Erfahrung auf meine Art und Weise mit meinen Lesern teilen. Wie verändert sich mein Stil, wenn es darum geht, nicht nur mich, sondern auch den Babybauch zu kleiden? Die Fotos landeten daher nicht nur auf meinem Blog, sondern größtenteils auf Instagram und dort schien die eben besagte Frage auch für einige andere Mamis und Schwangere interessant zu sein. So kam es, dass ich auf dieser spannenden Reise – vom wachsenden Bäuchlein bis zur Geburt von Baby Liam – nach und nach in die skurrile Welt der #instamoms mitgenommen wurde.

#mommymoments – Von Mutter zu Mutter

Eine Welt, die von #mamatalk und #mommymoments beherrscht wird. Eine Welt, die auch offline wunderbar funktioniert. Denn Instagram verbindet Mamas. Es entstehen Freundschaften zwischen Instamoms, die sich zur Geburt ihrer Babys Päckchen schicken und sich zum #spieldate mit ihren Kindern treffen. Eine Welt, in der #newmoms sich selbst inszenieren und das Mutterdasein ausgiebig zelebrieren.

#mompower – Muttis geben Tipps

Plötzlich entdeckte ich Gleichgesinnte. Mit einigen von ihnen konnte ich mich sogar richtig identifizieren. Junge studierte Mütter, die frisch verheiratet sind und das Wunder des Lebens erwarten. Fantastisch! Denn statt bei jedem kleinen Wehwehchen die Hebamme anzurufen, wurde einfach unter einem Bild um Rat gebeten und prompt erschienen zahlreiche aufmunternde Tipps aus erster Hand von Müttern, die wussten, wovon sie sprachen, weil sie genau das Gleiche durchmachten. Ich liebte diese neue Welt geballter #mompower, in der ganz normale Mütter von ihrem stinknormalen Alltag mit Baby, Mann und Haushalt berichten.

Stillprobleme und Voyeurismus

Auf dem ersten Blick ist doch nichts Verwerfliches daran. Doch bei genauen Betrachten einiger besonders offenherziger Instamoms kündigen sich bei mir zumindest Bauchschmerzen an: Geht es wirklich nur darum, sich nett mit anderen Müttern auszutauschen und sich den ein oder anderen brauchbaren Tipp gegen Bauchkoliken, Stillprobleme und Zahnungsschmerzen zu holen? Oder wird das eigene Baby, das nur allzu gerne in allen Lebenslagen abgelichtet und #nofiltermäßig der ganzen Instagram-Gemeinde präsentiert wird, knallhart vermarktet? Ich bin mir da nicht so sicher.

Zumindest bei einigen besonders populären Instamoms lautet die Devise: „Mehr ist mehr“: Je mehr du von deinem privaten Leben preisgibst, desto mehr Anhänger bekommst du. Fotos von Babys aus dem Kreißsaal – frisch geschlüpft und mit blutigem Laken umwickelt – oder von Babys, die an der Mutterbrust hängen und bei denen nicht einmal das Gesicht unkenntlich gemacht wird, sind jedem voyeuristisch veranlagten Follower mindestens ein schmeichelnder Kommentar Wert.

Wie weit gehst du, um dich interessant zu machen?“

Und ja, ich gebe zu, dass auch ich gerne einen Blick hinter die Kulissen anderer Mütter wage. Wie richten sie ihre Kinderzimmer ein? Bei welchen Onlineshops bestellen sie? Welche Babyprodukte verwenden sie? Welche Ratgeber empfehlen sie? Fragen, die eine junge Mama besonders interessieren. Eine essentielle Frage aber lautet: „Wie weit gehst du, um dich interessant zu machen?“ Zeigst du deinen Babybauch, bekommst du viele Likes. Zeigst du deinen nackten Babybauch, bekommst du sehr viele Likes. Zeigst du dein Baby, bist du interessant. Zeigst du dein Baby nicht, bist du langweilig. Postest du als Mutter ein Selfie nur von dir, bist du selbstverliebt. Zeigst du ein Selfie mit deinem Baby, zerrst du dein Kind in die Öffentlichkeit.

Dennoch möchte ich hier nicht unbedingt die Moralkeule schwingen. Jede Mutter (natürlich auch jeder Vater) muss selbst entscheiden, ob und wie sie ihr Kind im Netz zeigt. Das hängt nicht zuletzt mit den individuellen Prinzipien und Einstellungen zusammen. Mein Mann und ich haben da zum Glück die gleiche Ansicht: Wir wollen unser Kind so weit es geht schützen. Jeder, der mir folgt, weiß, dass auch ich gerne mal den einen oder anderen Einblick in unser Familienleben gebe. Dabei ist es mir immer wichtig, den Kleinen nie vollständig zu zeigen. Wenn Fotos veröffentlicht werden, dann nur aus einem bestimmten Anlass.

Und wenn ich dann für den einen oder anderen Instagram-Anhänger langweilig bin, dann ist es eben so. Aber zumindest möchte ich mich später bei meinem Kind nicht rechtfertigen müssen, warum ich es der ganzen Welt in einer Situation präsentiert habe, die es als unangenehm empfindet.

Folgt ihr auch gerne Instagram-Müttern und wie weit würdet ihr mit Fotos von euren Babys gehen?

 

 

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4 Comments

  • Reply
    #MamiMitWort: Wie viel Kind gehört ins Internet?
    15.02.2017 at 12:03

    […] ins Internet? Mit diesem Thema beschäftigen wir uns in unserer aktuellen #MamiMitWort-Runde. In meiner Babykolumne habe ich bereits vor einiger Zeit das Thema angeschnitten und meine Position – warum ich Liam’s […]

  • Reply
    10 Mama-Fragen und wie ich mich entschieden habe
    31.07.2016 at 10:18

    […] diesem Artikel über Instamoms habe ich ausführlich Stellung dazu genommen. Der Blog spiegelt einen Teil meines Lebens wieder und […]

  • Reply
    Jacqueline
    10.08.2015 at 21:33

    So ein toller Bericht!

    Ja, ich folge auch gerne anderen Müttern! ;oD

    Wünsche Dir einen schöne Woche!

    xoxo Jacqueline
    http://www.hokis1981.blogspot.com

  • Reply
    Saskia
    3.08.2015 at 19:36

    Ich folge auch anderen “ (werdenden) Müttern“ (z.B. http://www.ekulele.de oder http://stiny-style.blogspot.de) . Bisher fand ich alles ganz gut und hatte nichts zu meckern. Es muss jede Mutter selbst wissen, würde ich sagen.

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